Nach dem 2:0 hat Salzburg in Celje aufgehört, Fußball zu spielen

Inhalt
ARTIKEL TEILEN

Neunzigste Minute in Celje, Freistoß für Salzburg in der eigenen Hälfte. Statt den Ball lang nach vorne zu schlagen, spielt ihn die Mannschaft kurz, verliert ihn, und der eingewechselte Armandas Kučys trifft über die Innenstange zum 2:2. Vor dem Spiel hab ich geschrieben, Celje wird die Prüfung für Salzburgs Box.

Das Zeugnis liegt jetzt am Tisch, und schön ist es nicht. Ich gebe ein Genügend, und auch das nur wegen der ersten Viertelstunde und der Minuten direkt nach der Pause. Nach dem 2:0 hat Salzburg aufgehört, Fußball zu spielen, fast so wie in der vergangenen Saison. Unten steht, wo die Partie gekippt ist, wer gehalten hat und warum dieses Remis am Sonntag in Linz schwerer wiegt als in der Tabelle. Zuerst zu dem, was funktioniert hat.

Die erste Viertelstunde war genau das, was Röhl wollte

Danny Röhl, Cheftrainer des FC Red Bull Salzburg, hat drei Tage vor dem Auswärtsspiel in Linz rotiert. Tim Drexler spielte in der Innenverteidigung, Umut Tohumcu neben Abubakr Barry im Zentrum, auf den Flügeln Damir Redžić und Yorbe Vertessen. Edmund Baidoo fehlte, er hatte das Abschlusstraining abbrechen müssen. Das macht Sinn. Wer im Herbst in drei Bewerben spielt, kann nicht jede Woche dieselben elf aufstellen.

Der Plan ging zunächst auf. In der neunten Minute eroberte Leandro Morgalla den Ball, Redžić legte auf, und Sota Kitano schob überlegt zum 1:0 ein. Genau so wollte Röhl die Slowenen haben: früh unter Druck, Ballgewinn, schnelles Umschalten, Tor. Celje, der slowenische Meister unter Trainer Zoran Zeljković, hatte in dieser Ligaphase bis dahin kein einziges Tor erzielt und liegt auch daheim in der Liga außerhalb der ersten fünf.

Und dann kamen die ersten Warnsignale. In der 23. Minute bekam Kapitän Haris Tabakovic nach einem Vorstoß von Redžić den Ball aus wenigen Metern und jagte ihn über die Latte. Vier Minuten später verlor Barry in der gegnerischen Hälfte einen Ball, Drexler rückte zu überhastet heraus, Blaž Kramer war plötzlich durch, und sein Querpass fand Veton Tusha, der nur die Innenstange traf. Ab da kam Celje auf. Kurz vor der Pause brachte Kevin Boma an der Strafraumgrenze Benjamin Verbič zu Fall, der Pfiff blieb aus.

Ich wollte die erste Halbzeit erst als gute Halbzeit verbuchen. Aber zwischen der 27. Minute und dem Pausenpfiff war Celje die bessere Mannschaft, und dass es mit 1:0 in die Kabine ging, hatte mit einer Stange und einer Szene an der Strafraumlinie zu tun.

Wo die Partie gekippt ist

Röhl reagierte zur Pause mit einem Doppeltausch: Bartosz Mazurek kam für Tohumcu, Jesper Lindström für Vertessen. Der Däne, von Napoli ausgeliehen, brauchte keine halbe Minute. Ballmitnahme, Antritt an der Abwehr vorbei, Abschluss ins lange Eck, wieder nach Vorarbeit von Redžić. Sein zweites Tor in Serie nach dem Freistoß gegen Altach. 2:0 auswärts, gegen einen Gegner ohne Punkt und ohne Tor in diesem Bewerb.

Vier Minuten später stand es 1:2. Ein einziger weiter Ball reichte, die Abstimmung in der Kette passte nicht, und Dominik Schmid stand als letzter Mann allein gegen Kramer. Der ließ ihn stehen und schoss wuchtig ein. Röhl sagte nachher sinngemäß, beim 1:2 habe die Abstimmung nicht gestimmt, das könne passieren. Da bin ich bei ihm. Was danach kam, kann nicht passieren.

Salzburg hat in Celje nach dem 2:0 das Spiel nicht mehr gestaltet, sondern auf den Schlusspfiff gewartet. Dieses Remis hat mit Pech wenig zu tun. Es zeigt ein Reifeproblem, das ich aus der vergangenen Saison zu gut kenne: Die Mannschaft führt, und dann weiß sie nicht, wie man eine Partie zumacht.

Die Partie wurde hektisch, Salzburg gab das Heft aus der Hand. Celje war dem 2:2 näher als Salzburg dem 3:1. Christian Zawieschitzky musste gegen Verbič retten und kurz behandelt werden, spielte aber weiter. Auf der anderen Seite stand Tabakovic in der Schlussphase noch zweimal frei, einmal scheiterte er an Celjes Torhüter Žan-Luk Leban. Und dann diese 90. Minute: kurz gespielter Freistoß, Ballverlust, Konter, die Abseitsfalle greift nicht, Kučys trifft.

Röhl war danach deutlicher, als er es sonst ist: „Wie das 2:2 zustande kommt, ist zu einfach.“ Morgalla hat es noch schärfer formuliert:

„Wir waren in den letzten Minuten teilweise zu kindlich. Wenn du 2:1 führst, musst du nichts mehr beweisen, sondern das Ding über die Bühne bringen.“

Drexler meinte sinngemäß, man hätte den Freistoß einfach lang zu Tabakovic schlagen müssen, statt flach herauszuspielen. Zwei Spieler und der Trainer sagen dasselbe. Das ist ehrlich, und es ist genau der Punkt.

Wer gehalten hat und wer nicht

Der beste Mann am Platz war Redžić. Zwei Vorlagen, gewonnene Dribblings, Tempo über rechts, mit dem Celjes Abwehr vor allem in der ersten Hälfte nicht zurechtkam. Lindström hat mit einer Aktion das Spiel verändert, danach aber nicht mehr viel bewegt. Kitano traf und blieb gefährlich, bis er nach gut einer Stunde für Gaoussou Diakité Platz machte.

Hinten war es ein Abend mit Licht und viel Schatten. Zawieschitzky, 19 Jahre alt, hat gehalten, was zu halten war, bei beiden Toren war er machtlos. Morgalla leitete das 1:0 ein und zeigte eine couragierte Partie, beim 2:2 hob er aber gemeinsam mit Boma das Abseits auf. Boma war über weite Strecken der stabilste Verteidiger, hatte bei der Szene gegen Verbič aber Glück. Drexler wirkte von Beginn an nervös und war an beiden Gegentoren beteiligt. Schmid sah beim 1:2 schlecht aus und hatte im zweiten Durchgang mit dem eingewechselten Dukuly große Probleme. Das 2:2 fiel über seine Seite, auch wenn er dort nicht der Hauptschuldige war.

Und Tabakovic? Viel Arbeit, wichtige Zweikämpfe nach hinten, aber drei Chancen, von denen er mindestens eine machen muss. Von einem Kapitän, der in dieser Saison die meisten Salzburger Tore schießt, erwarte ich das. Mazurek, zuletzt so stark, hat das Spiel nach der Pause nicht beruhigt. Genau das hätte ich mir von ihm gewünscht. Diakité brachte nach seiner Einwechslung frische Dribblings, die letzte Entscheidung fehlte aber jedes Mal. Frans Krätzig war nur ein paar Minuten am Platz, hat in dieser Zeit aber einen der besten Pässe des Abends gespielt, auf Tabakovic. Dass auch diese Chance nicht im Tor landete, passt zum Abend.

Ist das schon wieder die Mannschaft der vergangenen Saison?

Teilweise. Und ich will fair bleiben, weil einiges gegen meine These spricht. Eine Mannschaft, die wirklich aufgehört hat, Fußball zu spielen, kommt nach dem 1:2 nicht noch zweimal frei vors Tor. Röhl hat rotiert, Tohumcu bestritt seinen ersten Europacup-Einsatz dieser Saison, und der Gegner war daheim mutiger, als ich es erwartet hatte.

Aber das Muster ist das Problem. Das 1:2 fällt vier Minuten nach dem 2:0 aus einem einzigen langen Ball. Das 2:2 fällt in der 90. Minute aus einem eigenen Freistoß. Das sind keine Zufälle, das sind Entscheidungen. Letzte Saison ist Salzburg in der Ligaphase als 31. vorzeitig ausgeschieden, und mir kam gestern genau dieses Gefühl wieder hoch: eine Mannschaft, die das Spiel in der Hand hat und nicht weiß, wie man es zumacht. Ich hab mich ziemlich geärgert, und ich glaube, das ging nicht nur mir so.

Röhl hat nachher sinngemäß gesagt, in diesem Bewerb müsse man fehlerfrei spielen, weil jede Mannschaft die Qualität habe, Fehler zu bestrafen, und früher sei seine Elf da schon cleverer gewesen. Er hat recht. Mit vier Punkten nach drei Spielen liegt Salzburg auf Rang 21, die ersten 24 kommen weiter. Am 5. November geht es auswärts gegen Anderlecht. Nach meiner Rechnung braucht es aus den fünf restlichen Partien noch mindestens fünf, eher mehr Punkte. Das ist machbar. Aber nicht so.

Der LASK hat Sporting geschlagen, und das heißt was

Während Salzburg in Celje zwei Punkte liegen ließ, hat der LASK am Mittwoch in Lissabon Geschichte geschrieben. 3:2 bei Sporting, der erste Sieg in der Champions League überhaupt für die Linzer. Und zwar nach Rückstand: Luis Suárez traf in der fünften Minute per Elfmeter, Christoph Lang glich aus, Saša Kalajdžić und Krystof Daněk drehten die Partie, Suárez verkürzte spät. Wer bei Sporting nach einem frühen Elfmeter-Rückstand ruhig bleibt und das Spiel umdreht, der hat etwas, das Salzburg gestern gefehlt hat.

Ich sag das ohne Neid. Der LASK unter Didi Kühbauer ist amtierender Meister und Cupsieger, und er spielt so. In der Liga hält er nach neun Runden bei 19 Punkten aus sechs Siegen, Salzburg ist mit sechs Siegen und drei Remis ungeschlagen und hat 21. In der Meistergruppe der vergangenen Saison hat der LASK beide Duelle gewonnen, 3:2 in Wals-Siezenheim und 2:1 in Linz. Wer glaubt, der Meister sei nach einer Champions-League-Nacht müde, verwechselt Müdigkeit mit Selbstvertrauen.

Die Rechnung für Sonntag ist einfach. Gewinnt Salzburg, sind es fünf Punkte Vorsprung auf den LASK. Bei einem Remis bleiben es zwei. Verliert Salzburg, zieht der LASK mit 22 zu 21 vorbei. Dazu kommt der Kalender: Der LASK hat am Mittwoch gespielt, Salzburg erst am Donnerstag um 21 Uhr. Ein Tag weniger Erholung, und dann noch die Heimfahrt aus Slowenien.

Was aus Celje mit nach Linz muss

Mit muss die erste Viertelstunde. Ballgewinne weit vorne, Redžić mit Tempo über rechts, Lindström als Waffe gegen eine Abwehr, die nicht aufpasst. Das hat funktioniert, und das wird auch gegen den LASK funktionieren, wenn die Mannschaft es 90 Minuten durchzieht und nicht nur 45.

Daheim bleiben muss der kurze Freistoß in der eigenen Hälfte in der Schlussminute. Konkret heißt das: Wenn Salzburg in Linz führt, dann kommt der Ball lang zu Tabakovic, dann bleibt der Außenverteidiger nicht allein als letzter Mann, dann wird gefoult, bevor der Konter läuft. Morgalla nennt es erwachsen, ich nenne es gscheit. Am Sonntag um 17 Uhr in der Raiffeisen Arena wird sich zeigen, ob die Lektion angekommen ist. Schauen wir mal, ich bin zuversichtlicher, als dieser Text klingt. Die Qualität ist da, das hat man in Celje zweimal gesehen.

Bleiben die rund 300, die am Donnerstagabend nach Celje gefahren sind. In ein Stadion mit über 13.000 Plätzen, in dem gerade einmal rund 4.000 Menschen saßen, zu einem Anpfiff um 21 Uhr, mit einem Arbeitstag am Freitag. Sie haben zwei Tore bejubelt und in der 90. Minute zugeschaut, wie aus dem Sieg ein Punkt wurde. Daheim waren viele von ihnen wohl erst lange nach Mitternacht. Am Sonntag stehen sie wieder, diesmal in Linz, und die Vorschreier werden wieder versuchen, eine Kurve zu tragen, die gerade wenig Grund zum Jubeln hat. Dass sie es trotzdem tun, ist das Einzige an dieser Woche, das ich mit Sehr gut benote.

Von der Mannschaft will ich am Sonntag keine Reaktion sehen. Ich will 90 Minuten sehen. Vollgas.

Der ungeschlagene Zweite fährt am Sonntag um 17 Uhr zum Meister nach Linz, zwischen Salzburg und dem LASK liegen gerade einmal zwei Punkte. Dazu kommt: Die Linzer haben die letzten beiden Duelle gewonnen, und gegen den amtierenden Meister wartet Salzburg seit sechs Partien auf einen Sieg.

Vorschau · Bundesliga · 10. Spieltag
6465LASK3. Platz · 19 Pkt
VS
6428Salzburg2. Platz · 21 Pkt
So. 25. Oktober · 17:00Raiffeisen Arena

Die Ausgangslage

6465LASKSalzburg6428
3.Tabelle2.
19Punkte21
SNUNSFormSUSUS

Wer fehlt

6428Salzburg
  • Anrie Chase
  • Nikolas Veratschnig
  • Enrique Aguilar
  • Justin Omoregie
6465LASK
  • Ramiz Harakaté
  • George Bello

Worauf es ankommt

Die Salzburg-Serie

Hält Salzburgs Serie ohne Niederlage auch gegen den einzigen Gegner, der zuletzt zweimal hintereinander ein Rezept gegen die Mozartstädter gefunden hat? Wenn ja, ist die Partie mehr als drei Punkte: Sie zeigt, ob diese Mannschaft auch nach dem glücklosen Unentschieden bei Celje gegen einen Titelkonkurrenten mithalten kann..

Der Tipp

1:1
Sieg 35 · Remis 30 · Niederlage 35
Mein Tipp
1:2
Alex Januschewsky
„Na servas, des is a gscheids Spiel, wo ma aufpassen muaß! Auswärts in Linz is hoid immer a Hetz, des wiss ma jo. Da LASK spuit grad recht guad auf, des siecht ma an da Form. Mia Soizburger san zwar ungeschlogn, aber auswärts schaut des oft a weng anders aus. I glaub, des wird a enger Kampf, wo's um jeden Ball geht. Mei Tipp is a Punkteteilung, weil beide Teams wos mitnahman woin.“Karli · KI-generiert am 19.10.2026 01:00 · Karlis Bilanz

Ich setz auf ein 1:2, aber Karlis 1:1 ist wohl die ehrlichere Prognose: Salzburg hat in neun Runden zwar nicht verloren, aber schon dreimal Unentschieden gespielt, und gegen einen LASK, der die letzten zwei Duelle gewonnen hat, wird ein Punkt in Linz eher das realistische Ergebnis sein als der Auswärtssieg.

Ich hätte nur eine Bitte an die Mannschaft: Wenn es in der 90. Minute 1:1 steht, dann bitte keinen kurzen Freistoß in der eigenen Hälfte.

Deine Meinung
Wie findest du den Artikel?
ARTIKEL TEILEN
Porträt von Alex Januschewsky, Herausgeber von S12.at
Über den Autor
Alex Januschewsky
Herausgeber und Autor von S12.at
Ich mache S12.at allein. Kein Redaktionsteam, kein Vereinsfilter, keine Rücksicht auf gute Stimmung. Was du hier liest, kommt aus Spielen, die ich gesehen habe, und aus Entwicklungen, die ich über Jahre mitverfolgt habe. Schönfärberei findest du woanders. Mir geht es um Analysen, die auch dann noch halten, wenn sie unbequem sind. Der Weg der Salzburger Mannschaft steht dabei im Mittelpunkt, weil mir ihre Entwicklung näher geht als jede Tabellenzeile.
Bundesliga
Europacup
Transfermarkt
Taktik
Fankultur
S12.at ist kein offizielles Vereinsmedium. Die Texte schreibe ich selbst, künstliche Intelligenz nutze ich nur zur Prüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Lesefluss sowie für einzelne Bilder.
Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite ist durch reCAPTCHA geschützt. Es gelten die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingungen von Google.

BEITRAGSNAVIGATION
FC Red Bull Salzburg · Heimspieltag

Parkplatzparty

Shuttleparkplatz Ost
Dein Kontakt zur Fanszene

Die Party startet vor dem Stadion!

Gegrilltes, kalte Getränke, heiße Diskussionen und ein Gefühl, das du nur hier erlebst: Die Parkplatzparty ist der Treffpunkt der Salzburger Fanszene. Komm vorbei, egal ob zum ersten Mal oder seit Jahren dabei. Hier gehörst du dazu.

Sei dabei