
Mein erstes Spiel war die Eröffnung der Flutlichtmasten im alten Lehener Stadion, 1974. Ich war ein Kind, ich hab von der Anlage nichts verstanden, aber das Licht über dem Rasen hat sich eingebrannt. Seither bin ich Fan, und das war in fünfzig Jahren selten ein bequemer Job.
Ich hab Austria Salzburg im alten Lehener Stadion in die zweite Division absteigen sehen. Oft waren da keine tausend Leute im Stadion, an manchen Tagen deutlich weniger. Wer damals dabei war, dem muss man nichts über Krisenjahre erzählen. Der Klub hat in seiner Geschichte öfter den Namen gewechselt als die Aufstellung in einer schlechten Saison: Austria Salzburg, Wüstenrot Salzburg, Gerngroß Salzburg, Casino Salzburg. Wer glaubt, die Umbenennung 2005 wäre der erste Bruch in dieser Vereinsgeschichte gewesen, hat schlicht nicht aufgepasst.
2005 hat der Getränkehersteller Red Bull die finanziell marode Austria Salzburg übernommen. Die Farben wechselten von Violett-Weiß auf Rot-Weiß, der Name auf FC Red Bull Salzburg. Die bestehende Fanszene lag mit der neuen Vereinsführung sofort im Streit, und der Streit hat die Szene gespalten. Ein Teil hat die Austria Salzburg neu gegründet, der andere Teil ist im neuen Klub in Wals-Siezenheim geblieben. Ich zähl mich zum zweiten Teil, aber ich sag da ehrlich dazu: leicht war die Entscheidung damals für niemanden, und ich hab selbst ein paar Jahre gebraucht, bis ich mit ihr wirklich im Reinen war.
Genau aus dieser Zeit stammt meine Grundhaltung zu diesem Klub. Nah genug dran, um ihn zu verstehen. Unabhängig genug, um ihn zu hinterfragen. Das klingt nach einer Floskel, ist aber das Gegenteil: Es ist die einzige Position, die nach so einer Spaltung noch Sinn macht.
2010 hab ich den Fanclub Raging Bulls mitgegründet. Wer mehr über den Klub wissen will, findet Infos auf ragingbulls.at. Ich war lang in der Fanszene aktiv, hab mich eingemischt, wo es was einzumischen gab, und war über Jahre Teil des mittlerweile nicht mehr existierenden Fanbeirats des FC Red Bull Salzburg. Diese Arbeit war oft zäh, aber sie hat mir eine Innensicht auf den Klub gegeben, die man von der Tribüne allein nicht bekommt.
Parallel dazu hab ich für SALZBURG12.at geschrieben. Vorberichte vor den Spielen, Nachberichte danach, Analysen zwischendurch, Liveticker während der neunzig Minuten. Das war kein Nebenjob, das war die Art, wie ich meinen Fußball verarbeitet hab. 2022 wurde das Projekt eingestellt. Ich hab damals gedacht, das war’s dann, und für ein paar Jahre hat es auch so ausgeschaut.
Dass ich am 3. Oktober 2025 mit S12 wieder angefangen hab, war keine spontane Idee. Es war ein Gedanke, der seit 2022 nicht wirklich weg war, nur pausiert. Salzburger Fußball verdient eine Stimme, die niemandem im Verein Rechenschaft schuldig ist. Keine Pressemitteilung in Textform, keine weichgespülte Reaktion nach einer schwachen Partie, sondern eine ehrliche Einschätzung, auch wenn sie unbequem ist.
Ich schreib hier für die Leute, die frühmorgens die Tabelle checken, bevor sie überhaupt ans Frühstück denken. Für die, die nach einem Auswärtsspiel noch stundenlang wach liegen, weil eine einzelne Szene nicht aus dem Kopf geht. Das ist eine kleine Gruppe, aber es ist die Gruppe, für die ich das mach.
S12 ist ein Ein-Personen-Projekt. Keine Redaktion, kein Team, das über meine Texte drüberschaut, bevor sie online gehen. Das heißt auch: Wenn ich einen Fehler mach, so wie es mir in der Vergangenheit schon passiert ist, dann steh ich mit meinem Namen dafür grad und korrigier ihn, statt ihn zu verstecken. Analysen, Kommentare, Kaderchecks, alles aus der Ich-Perspektive, alles mit dem Anspruch, dass es am nächsten Tag nicht wortgleich in einer Tageszeitung stehen könnte.
Was mich von einem Vereinsmedium unterscheidet, ist einfach: Ich muss niemandem gefallen. Keinem Sponsor, keiner Pressestelle, keinem Marketingplan. Ich muss nur mir selbst und meinen Lesern gegenüber ehrlich bleiben, und das ist gscheit genug als Maßstab.
Die Kurve war fünfzig Jahre lang der Ort, an dem sich für mich entschieden hat, ob ein Spieltag was wert war. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn ich die meisten Spiele mittlerweile mit einem Notizblock statt mit einem Schal in der Hand verfolge. S12 ist der Versuch, aus fünfzig Jahren Beobachtung etwas zu machen, das über den nächsten Spieltag hinaus Bestand hat. Herzensprojekte hören nicht einfach auf. Meines schon gar nicht.