Nach sechs Minuten stand es gegen Altach 1:0, und trotzdem war es Arbeit. So hat Danny Röhl, Cheftrainer des FC Red Bull Salzburg, den 3:0-Sieg vom Sonntag sinngemäß beschrieben. Ich finde, in diesem Satz steckt alles, was du vor dem Europa-League-Spiel bei NK Celje wissen musst, das am Donnerstag um 21.00 Uhr angepfiffen wird. Der Sieg gegen den Vorletzten war nach dem 0:4 gegen Milan nötig und richtig. Ob Salzburg die Fehler in der eigenen Box abgestellt hat, beweist er aber nicht. Unten steht, was aus Altach nach Slowenien mitfährt und was ich zu Hause lasse. Zuerst zum Gegner.
Wer ist NK Celje, und warum hat der Meister noch keinen Punkt?
Celje liegt in Slowenien, der Klub wurde 1919 gegründet und trägt den Spitznamen Grofje, zu Deutsch die Grafen. Gespielt wird im Stadion Z’dežele mit 13.059 Plätzen. Die Grafen sind amtierender Meister, den Titel holten sie 2025/26, davor 2023/24 und 2019/20. Celje und Maribor sind die beiden Vereine, die seit der Unabhängigkeit 1991 ununterbrochen in der obersten Liga spielen.
Die Europa League ist für Celje Neuland. Im Playoff zur Champions League scheiterte der Klub an Slovan Bratislava und landete so erstmals in der Ligaphase. Dann kam der Bruch: Zwei Tage vor dem ersten Spiel trennte sich Celje von Vitor Campelos, dem Trainer des jüngsten Meistertitels. Sein Nachfolger Zoran Zeljković kam vom Ligakonkurrenten Koper, und ausgerechnet gegen dessen Mannschaft hatte Celje zuletzt 0:1 verloren. Davor war das 1:2 gegen Bravo gekommen, der Meister stand nur auf Rang sieben. Zeljković, ein ehemaliger Mittelfeldspieler und Nationalspieler, hat selbst in Zypern, Ungarn und Österreich gespielt und 2017 und 2018 schon als Assistent in Celje gearbeitet.
Das Debüt unter Zeljković endete in Leverkusen 0:2, Torhüter Žan-Luk Leban fiel dabei mit mehreren Paraden auf. Am 15. Oktober folgte daheim ein 0:3 gegen Omonia Nikosia. Macht null Punkte und 0:5 Tore. Daheim war Celje in der Conference-League-Ligaphase der Vorsaison allerdings ungeschlagen, zwei Siege, ein Remis, auswärts gingen dort alle fünf Spiele verloren. Der Heimplatz ist also die Stärke dieses Klubs, und genau dorthin fährt Salzburg. Im Kader stehen Routiniers wie Mario Kvesić, 34, und Benjamin Verbič, 32. Wie Celje unter dem neuen Trainer spielen will, kann ich nach zwei Niederlagen nicht belastbar sagen. Ich bin mir da nicht sicher, die Datenlage ist dünn.
Salzburg hat nach dem 0:4 gegen Milan nur einen Platz in der Startelf getauscht und Altach 3:0 geschlagen. Ich halte das für die richtige Reaktion, aber nicht für den Beweis, dass die Box hält, denn Altach kam kaum gefährlich vors Tor. Celje hat in zwei Europa-League-Partien kein Tor erzielt. Das Risiko am Donnerstag liegt deshalb weniger in Celjes Offensive als in Salzburgs eigenen Fehlern.
Was gegen Altach wirklich passiert ist
Zur Erinnerung, warum Altach überhaupt eine Reaktion sein musste: Gegen Milan stand es zur Pause 0:2, Alphadjo Cisse hatte da schon zweimal getroffen und legte nach dem Wechsel noch einmal nach, später machte Gonçalo Ramos das 4:0. Salzburg beendete die Partie in Überzahl, weil Milans eingewechselter Pietro Terracciano nach einem Foul an Dominik Schmid wegen Torraubs Rot sah, ein Ehrentreffer blieb trotzdem aus. Nur viermal hat Salzburg im Europacup höher verloren. Röhl sagte danach sinngemäß, die erste Hälfte sei gut gewesen, aber der Abschluss nicht zielstrebig genug, und beim Verteidigen der eigenen Box sei die Mannschaft vor allem bei den ersten Gegentoren nicht wach genug gewesen.
Röhl änderte gegen Altach die Startelf nur an einer Stelle: Gaoussou Diakité spielte für Sota Kitano. Der Pole Mazurek stand wieder drin, obwohl ihm gegen Milan der Ballverlust vor dem 0:4 unterlaufen war. Das macht Sinn. Wer nach einer Niederlage einen Spieler für seinen Fehler aus der Mannschaft nimmt, schickt dem Rest eine Botschaft, die in der Europa League nicht hilft.
Das 1:0 fiel nach dem ersten gefährlichen Angriff. Jesper Lindström zirkelte den Ball mit dem Außenrist in den Strafraum, Kapitän Haris Tabakovic musste nur den Fuß hinhalten. Nach der Pause köpfte Tabakovic ein zweites Mal ein, Schiedsrichter Alain Sadikovski erkannte das Tor wegen Foulspiels ab. Die Vorentscheidung fiel erst in der 73. Minute: Lindström traf einen direkten Freistoß, sein erstes Bundesliga-Tor, der Däne ist von Napoli ausgeliehen. Kurz vor Schluss machte der eingewechselte Damir Redzic nach einem sehenswerten Angriff den Endstand, sein erstes Saisontor.
Röhl räumte nachher sinngemäß ein, dass Altach die Räume zugestellt hatte, dass die Entscheidungen nicht immer gut waren und dass Salzburg einige Konter zugelassen hat. Altach selbst blieb im Angriff harmlos und prüfte Torhüter Christian Zawieschitzky kaum. Das Team von Ognjen Zaric hat sechs Punkte und ist Vorletzter, es hatte in der Runde davor den WAC 3:0 geschlagen.
Salzburg ist damit seit neun Bundesliga-Spielen ungeschlagen, sechs Siege, drei Remis, 21 Punkte, drei weniger als Rapid und zwei mehr als der LASK. Ich wollte das 3:0 erst als Beleg für die Reaktion der Mannschaft feiern. Aber 67 Minuten Ein-Tore-Führung gegen den Vorletzten, der sich kaum Chancen erarbeitet, lassen das nicht zu.
Was aus Altach nach Celje mitfährt und was nicht
Mit fährt die Achse. Röhl vertraut seinen Spielern auch nach dem 0:4, und die Elf, die Altach geschlagen hat, hat Milan schon gekannt. Mit fährt auch der Standard: Lindströms Freistoß ist eine Waffe gegen Gegner, die tief stehen und selten Fehler erzwingen. Celje hat in zwei Spielen fünf Gegentore kassiert, wie viele aus ruhenden Bällen fielen, hab ich nicht gefunden.
Zu Hause bleibt die Gewissheit, dass Salzburg ein Spiel kontrolliert, weil es das gegen Altach getan hat. Ein Heimteam ohne Punkt und ohne Tor wird Risiko gehen müssen, das schauen wir mal an. Das gibt Salzburg Räume, die es am Sonntag nicht hatte. Es gibt Celje aber auch Ballgewinne, und Milan hat in Salzburg genau zwei Dinge bestraft: einen allein gelassenen Stürmer nach einer Flanke und einen Ballverlust vor dem eigenen Strafraum. Röhl nannte Milan nach der Partie mindestens einen Kopf größer als sein Team, und er hat nach meinem Verständnis auch davor gewarnt, in der Europa League von Pflichtsiegen zu reden. Ich schließe mich an. Konkret wünsche ich mir in Celje ein Spiel, in dem Tabakovic und Lindström weiter früh Druck machen, hinten aber niemand allein den Ball vor dem eigenen Sechzehner verteidigt, und in dem die Sechser Mazurek und Barry den Raum vor der Abwehr dichthalten, statt jedem Ball hinterherzulaufen.
Dann die Rechnung. Salzburg hat drei Punkte aus zwei Spielen, 1:0 in Sofia und 0:4 gegen Milan, und liegt auf Rang 21. Gewinnt die Mannschaft in Celje, hat sie sechs Punkte nach drei Spielen. Sechs Punkte waren im Vorjahr die gesamte Ausbeute aus den acht Spielen der Ligaphase, und die reichten nicht: Salzburg schied aus. Verliert sie, bleiben drei Punkte vor fünf Partien, darunter Anderlecht und Leverkusen auswärts. Die Plätze eins bis acht gehen direkt ins Achtelfinale, die Plätze neun bis 24 in die Playoffs, darunter ist Schluss. Auch eine Zahl, die ich merkwürdig finde: Beide Teams haben in dieser Ligaphase zusammen genau ein Tor geschossen, Salzburg das 1:0 in Sofia, Celje keines.
Am Sonntag wartet der LASK, der Meister. Daran zu denken, bevor Celje gespielt ist, wäre der erste Fehler.
Dazu kommt ein Punkt, den ich in der Aufregung um die Box nicht untergehen lassen will: die Offensive. Salzburg hat in der Europa League bisher ein Tor erzielt, in zwei Spielen. Gegen Altach waren es drei, aber zwei davon fielen aus einer Standardsituation und aus einem Angriff in der Schlussphase, als der Gegner müde war. Wer in Celje auf ein Tor aus dem Spiel heraus hofft, sollte wissen, dass Altach das nicht zuverlässig gezeigt hat. Ein Gegner, der tief steht und kontert, wird auch Celje nicht zwingend sein, aber nach zwei Niederlagen ohne eigenes Tor ist ein früher Treffer für die Slowenen Gold wert. Je länger es 0:0 steht, desto nervöser wird das Stadion, und das kann beiden Seiten helfen.
Donnerstag in Celje: Anreise, Stadion und die Nordkurve
Das Stadion Z’dežele wurde ab 1999 in Etappen gebaut, die Osttribüne kam 2003, die Nordtribüne als letzte. Etwa die Hälfte der 13.059 Sitzplätze ist überdacht. Anstoß ist um 21.00 Uhr, der Schlusspfiff fällt gegen 23.00 Uhr, und am Freitag ist Arbeitstag.
Gegen Milan waren 22.503 Zuschauer in Wals-Siezenheim und sahen eine Lehrstunde. Wer nach so einem Abend am Donnerstag trotzdem ins Auto steigt, um in einem fremden Stadion zu stehen, zeigt mir, wo Fankultur anfängt. Ein Spiel gegen einen Gegner ohne Punkt und ohne Tor lockt kaum jemanden. Dieser Klub braucht auch in der Ligaphase der Europa League Leute, die laut sind, wenn es schlecht läuft, und die Nordkurve ist dafür die Adresse. Falls die Vorschreier mitfahren, haben sie in Celje die schwierigere Aufgabe als daheim: Sie müssen die Stimmung in Gang bringen, wo ihnen kein Heimvorteil den Raum gibt. Der Nordkurve gebührt dafür ein ehrliches Danke, auch von mir, der dieses Mal nicht dabei ist.
Mein Tipp ist ein Maßstab. Hält die Box, gewinnt Salzburg in Celje. Hält sie nicht, hilft auch das 3:0 gegen Altach nicht, und dann war es eine gscheite Partie für die Kritiker.


