Röhl macht Salzburg schnell, gegen tief stehende Gegner bleibt es zäh

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Minute 84 in Ried, Karim Konate schiebt zur Führung ein, ich mach schon den Haken hinter drei Punkte. Minute 86, Ecke, Kopfball, Philipp Pomer gleicht aus. Zwei Minuten, ein ganzer Nachmittag hin. Danny Röhl hat Salzburg in seinen ersten Monaten spürbar schneller und griffiger gemacht, das Team ist bewerbsübergreifend seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen. Aber das Muster, an dem sich Salzburg seit Jahren scheitert, hat auch der neue Trainer noch nicht geknackt: gegen Mannschaften, die sich hinten reinstellen und diszipliniert verteidigen, tut sich diese Elf schwer. Ich zeig dir in diesem Text, woran das liegt, was sich taktisch wirklich verändert hat und warum ich die beiden Unentschieden gegen den WAC und gegen Ried für mehr als Ausrutscher halte.

Salzburg hat unter Röhl in der Admiral Bundesliga nach sieben Runden fünf Siege und zwei Remis geholt, kein einziges Spiel verloren. Ich halte das trotzdem nicht für einen Beweis, dass der Umbruch schon abgeschlossen ist. Die Tordifferenz von plus vierzehn stammt zu einem guten Teil aus drei Kantersiegen gegen Mannschaften, die offen mitgespielt haben. Gegen die zwei kompaktesten Gegner der bisherigen Saison gab es nur einen Punkt.

Wer ist der Mann, der Salzburg wieder schnell macht

Danny Röhl, geboren am 28. April 1989 in Zwickau, ist Trainer, kein Spieler mit großer Vergangenheit. Seine aktive Karriere bei FSV Zwickau und dem FC Eilenburg war schon mit zwanzig Jahren vorbei, eine Verletzung hat das beendet. Was danach kam, erklärt aber, warum Marcus Mann ihn unbedingt wollte. Röhl war Assistent bei RB Leipzig unter Ralf Rangnick, danach bei Ralph Hasenhüttl in Southampton, später auch bei Hansi Flick, sowohl beim FC Bayern als auch beim DFB-Team. Diese drei Namen erklären mehr über seinen Trainerstil als jedes Vorstellungsinterview.

Sein erster eigener Job war Sheffield Wednesday, von Oktober 2023 bis 2025, danach übernahm er die Glasgow Rangers und führte den schottischen Traditionsverein zum dritten Platz. Nach nur acht Monaten in Glasgow wechselte er im Sommer 2026 nach Salzburg, Ablöse rund zwei Millionen Euro, Vertrag bis 2029. Er folgte auf Daniel Beichler, der Mitte Mai „verabschiedet“ wurde. Sportdirektor Marcus Mann sprach von seinem Wunschtrainer, Röhl selbst nannte die Verpflichtung ein perfektes Match. Solche Sätze sagt jeder neue Trainer bei seiner Antrittspressekonferenz, das weiß ich. Bei Röhl deckt sich die Aussage aber tatsächlich mit dem, was er seither auf den Platz bringt.

Schon im Sommer hat er angekündigt, den Kader zu verkleinern und der Mannschaft, wie er es nannte, das Gewinner-Gen zurückzugeben. Drei Jahre ohne Meistertitel haben in Salzburg für Unruhe gesorgt, Röhl sollte das beenden. Nach sieben Runden würde ich sagen: der erste Schritt ist gemacht, der zweite fehlt noch.

Was sich im Spiel tatsächlich geändert hat

Röhl setzt auf eine Viererkette, aber die Formation ist ihm erklärtermaßen weniger wichtig als die Prinzipien dahinter. Hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel, ein kompaktes Zentrum im Ballbesitz mit kurzem, schnellem Passspiel. Das klingt erstmal wie die alte Red-Bull-Schablone aus der Rangnick-Zeit, und genau das ist es auch, nur konsequenter umgesetzt als in den letzten Jahren.

Der auffälligste Unterschied für mich als Dauerkartenbesitzer: die Außenverteidiger. Dominik Schmid und Nikolas Veratschnig schieben in der Offensivbewegung so weit auf, dass sie faktisch zu Flügelspielern werden, während im Zentrum eine Doppelsechs oder ein einzelner Sechser die Restverteidigung absichert, je nach Gegner. Beim 4:1 gegen Austria Wien und beim 5:1 gegen Rapid ist genau das aufgegangen: die Breite kam von außen, das Zentrum blieb kompakt, Haris Tabakovic als einzige echte Spitze musste nur noch die Abschlüsse setzen.

Und die setzt er. Der 32-Jährige, im Sommer aus Wien geholt, hat in seinen ersten Pflichtspielen für Salzburg regelmäßig getroffen und ist mit seinen Torserien der auffälligste Neuzugang. Sein Kopfballtor beim 4:1 gegen Austria Wien fiel schon in der 19. Minute, sein Treffer bei Levski Sofia in der Europa League kurz vor der Pause, immer in Situationen, in denen die Mannschaft den Gegner vorher schon mürbe gemacht hat. Dahinter drehen Bartosz Mazurek, Sota Kitano und Yorbe Vertessen die Partien, Edmund Baidoo und Karim Konate bringen von der Bank frischen Zug, Jesper Lindström ist als Leihgabe aus Neapel eine zusätzliche Option für die offensive Zehnerposition.

Die Startelfwechsel-Statistik der Liga zeigt: Röhl rotiert mehr als jeder andere Trainer der Bundesliga, mit bislang 22 Wechseln in der Startformation nach sechs Runden, deutlich mehr als etwa der SK Sturm Graz mit 20. Das ist gewollt. Wer bei ihm nachlässt, sitzt beim nächsten Mal draußen, und genau diese Konkurrenz hat die Mannschaft in den klaren Spielen sichtbar schärfer gemacht. Gleichzeitig bedeutet so viel Rotation auch, dass sich noch keine eingespielte Stammformation gefunden hat, mit der Röhl jede Partie angeht, das kann in engen Spielen ein Nachteil sein, weil Automatismen fehlen, die sich über viele gemeinsame Einsätze erst entwickeln.

Was mir dabei auffällt, und da korrigiere ich mich selbst: ich hätte nach dem Trainerwechsel im Sommer mit einer längeren Findungsphase gerechnet. Die ist ausgeblieben. Innerhalb weniger Wochen stand ein Spielprinzip, das erkennbar Röhls Handschrift trägt, nicht die von Beichler oder noch früheren Trainern. Das muss man ihm lassen.

17 Punkte, null Niederlagen: die Zahlen dahinter

Nach sieben Runden stehen fünf Siege, zwei Remis, siebzehn Punkte, achtzehn erzielte und nur vier kassierte Tore zu Buche. Salzburg war nach sechs Runden als einziges Team der Liga noch ungeschlagen, mit vier Siegen und zwei Unentschieden bei vierzehn Punkten, so viele wie zuletzt in der Saison 2023/24. Am Wochenende kam mit dem 3:0 gegen Sturm Graz der siebente Sieg dazu.

Bewerbsübergreifend, also inklusive Europa-League-Quali, Ligaphase und ÖFB-Cup, ist Salzburg unter Röhl mittlerweile seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen. Damit hat er zum Start seiner Amtszeit schon mehr Spiele ohne Niederlage aneinandergereiht als Marco Rose und Jesse Marsch, die beide bei zwölf Spielen die erste Pleite kassierten. Ganz oben in dieser Wertung steht weiterhin Matthias Jaissle mit 21 Partien, dahin ist es noch ein Stück.

Der Auftakt in die Europa-League-Ligaphase passt ins Bild: ein 1:0 auswärts bei Levski Sofia, dem bulgarischen Meister und Tabellenführer, Tabakovic traf in der 39. Minute. Kein Statement-Sieg, aber ein Pflichtsieg gegen einen unangenehmen Gegner in dessen eigenem, gut gefülltem Stadion, genau die Art von Ergebnis, die frühere Salzburg-Mannschaften unter Druck öfter liegen gelassen haben.

Zum Vergleich, wie eng es an der Tabellenspitze zugeht: nach sechs Runden lag Salzburg nur einen Punkt hinter dem punktgleichen Verfolgerfeld, das Restprogramm bis zur Winterpause bringt mit Grazer AK auswärts und SCR Altach zu Hause gleich zwei weitere Gegner, die eher auf Absicherung als auf offenen Schlagabtausch setzen dürften. Genau da wird sich zeigen, ob die Erfahrung aus Wolfsberg und Ried etwas gebracht hat.

Trotzdem: eine Bilanz ohne Niederlage ist nicht dasselbe wie eine Bilanz ohne Probleme. Schauen wir uns an, wo genau es für Röhl noch hakt.

Das Muster, das bleibt: WAC und Ried

Am 9. August, im vierten Pflichtspiel unter Röhl, kam beim WAC das erste Nicht-Gewinnen der Saison. 68 Prozent Ballbesitz für Salzburg, zehn zu drei Torschüsse, und am Ende trotzdem nur ein 1:1. Giacomo Vrioni brachte die Wolfsberger in der 67. Minute in Führung, Yorbe Vertessen glich erst in der 79. aus. Röhl war nach dem Spiel unzufrieden mit der eigenen Chancenverwertung und sagte sinngemäß, eine Leistung dieser Qualität hätte die Partie früher entscheiden müssen. Tabakovic sah das ähnlich. Die Wolfsberger, seit zehn Heimspielen in der Liga ungeschlagen, hatten mit Torhüter Nikolas Polster schlicht den besseren Tag.

Fünf Wochen später, am 11. September, dasselbe Bild bei der SV Ried. Salzburg drückend überlegen, aber die Führung fällt erst in der 84. Minute durch Konate, praktisch im Gegenzug nach dem eigenen Anstoß gleicht Ried per Eckball und Kopfball durch Pomer aus. Damit war auch die interne Serie von sechs Pflichtspielsiegen in Folge vorbei. Die SV Ried, nach dem Trainerwechsel zu Mario Despotovic selbst noch in der Findungsphase, hat sich mit einer robusten Fünferkette und viel Zweikampfbereitschaft genau so verteidigt, wie es die Medien danach zusammenfassten: Salzburg fiel bei einem Gegner, der sich hinten reinstellt, in alte Muster zurück. Vor 6.041 Zuschauern in der BWT-Oberösterreichischen Arena reichte den Rieder Vorsitzenden Schwab und Steurer, um Tabakovic und Baidoo über weite Strecken aus dem Zentrum fernzuhalten, während die Salzburger genau dort, wo Röhls Prinzip Kompaktheit im Ballbesitz vorsieht, zu selten den letzten Pass fanden.

Und ich halt mir selbst die Gegenrede vor: Polster hat beim WAC mehrere Glanzparaden gegen Tabakovic und Krätzig gezeigt, Leitner in Ried war im entscheidenden Moment zur Stelle. Zwei einzelne Torhütertage könnten das gewesen sein, nicht zwangsläufig ein System-Problem. Und ehrlich, gegen Austria Wien und gegen Rapid hat dieselbe Offensive in denselben Wochen neun Tore geschossen, das ist eh kein Chancenwucher-Team im Grundsatz. Auffällig bleibt trotzdem: beide Male, gegen WAC und gegen Ried, waren es Gegner, die bewusst auf Kompaktheit und wenig Risiko gesetzt haben, und beide Male ist genau das aufgegangen, zumindest für einen Punkt. Das ist eine Wiederholung, keine Anekdote mehr. Wer im weiteren Saisonverlauf gegen Hartberg, Altach oder einen defensiv eingestellten GAK antritt, wird mit derselben Aufgabe konfrontiert sein: viel Ballbesitz erzeugen reicht nicht, wenn die letzte Reihe der eigenen Chancenverwertung fehlt.

Drumherum: was die Kurve dazu sagt

In der Nordkurve wird der neue Trainer bislang wohlwollend, aber nicht unkritisch aufgenommen. Nach den Kantersiegen gegen Austria Wien und Rapid war die Stimmung im Stadion, wie ich es erlebt hab, spürbar gelöster als in den letzten Röhl-losen Monaten, das Spiel hatte wieder Tempo, die Fans sind mitgegangen, gerade beim Wiener Doppelpack innerhalb weniger Tage hat man den Unterschied zur Vorsaison körperlich gespürt. Nach dem Remis in Ried, das ich mir angeschaut hab, war online in der Fanszene eher Frust zu spüren, weniger über die Leistung als über das wiederkehrende Ergebnis gegen genau solche Gegner. Das find ich nachvollziehbar. Die eigene Anspruchshaltung ist in Salzburg naturgemäß hoch, und wenn dieselbe Schwäche zum dritten Mal in der noch jungen Saison auftaucht, darf man das ansprechen, ohne gleich unfair zu sein.

Was mir zusätzlich auffällt: die Auswärtsfahrer, die am Freitagabend ins Innviertel gereist sind, haben die Mannschaft nach dem Ausgleich nicht ausgepfiffen, sondern bis zum Schlusspfiff weitergesungen. Das ist eh keine Selbstverständlichkeit nach einem verspielten Vorsprung in der Nachspielzeit, und es zeigt, dass die Geduld mit diesem Umbruch grundsätzlich vorhanden ist, solange die Richtung stimmt.

Was ich daraus mitnehme

Ich will hier nicht schönreden, aber auch nicht schlechtreden, was Röhl bisher geleistet hat. Ungeschlagen nach sieben Runden, bewerbsübergreifend nach dreizehn Pflichtspielen, das ist eine gscheite Ausbeute für einen Trainer, der erst seit Sommer im Amt ist, und die Art, wie diese Mannschaft mittlerweile über die Außenbahnen spielt, macht mehr Sinn als das, was ich in den letzten Spielzeiten gesehen hab. Aber die Aufgabe, die als nächstes ansteht, ist unbequemer als jede davor: konsequent auch gegen Gegner zu punkten, die sich selbst kaum trauen anzugreifen. Genau daran hat sich Salzburg schon vor Röhl wiederholt die Zähne ausgebissen, und genau daran wird sich zeigen, ob aus dieser guten Saisonphase eine Meisterschaft wird oder wieder nur ein starker Herbst. Die Kaderreduktion, die Röhl im Sommer angekündigt hat, war der erste Schritt zu mehr Verbindlichkeit im Kader, der zweite Schritt muss auf dem Rasen stattfinden, wenn im Oktober die nächsten kompakten Gegner warten.

Was mich am meisten trägt, ist ehrlich gesagt nicht die Tabelle, sondern was rund ums Stadion passiert. Die Auswärtsfahrer, die trotz Freitagabend-Anstoß den Weg ins Innviertel auf sich genommen haben, die Vorschreier, die auch nach einem enttäuschenden Ausgleich in der Nachspielzeit noch für Stimmung gesorgt haben, das ist die Konstante, auf die ich mich in dieser Saison mehr verlassen kann als auf jede Chancenverwertung. Bevor Röhl im nächsten Auswärtsspiel wieder gegen eine tiefstehende Mannschaft antritt, würde ich mir wünschen, dass genau diese Geduld, die die Kurve schon oft genug aufgebracht hat, auch auf dem Platz ankommt.

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Porträt von Alex Januschewsky, Herausgeber von S12.at
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Alex Januschewsky
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