Am 12. August um 21 Uhr spielen Paris Saint-Germain und Aston Villa in der Red Bull Arena um den UEFA Super Cup. In der Stadt läuft seit Ende Juli die Trophy Experience, am Residenzplatz baut die UEFA zwei Tage lang ein Fan Festival auf, jede der beiden Mannschaften bekommt 7.500 Karten. Es ist das größte Fußballspiel, das in Wals-Siezenheim jemals angepfiffen wurde. Und mein Verein ist dabei Gastgeberin, Zuschauerin, Kulisse.
Einen Tag später, am 13. August um 19 Uhr, steht der FC Red Bull Salzburg im Limassol Stadium und spielt um den Einzug ins Play-off der Europa League. Nicht um die Champions League. Um das Play-off zur zweithöchsten europäischen Klubbewerbung.
Diese Fallhöhe ist der eigentliche Kontext für morgen Donnerstag, 19 Uhr, wenn Pafos FC in der Red Bull Arena antritt. Wer nur auf das Hinspiel schaut, sieht ein Qualifikationsspiel. Wer zwei Wochen weiter schaut, sieht die ehrliche Standortbestimmung eines Klubs, der Europas Elite bewirtet und sich gleichzeitig selbst hocharbeiten muss.
Wo dieser Klub gerade wirklich steht
Platz drei in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Daniel Beichler musste Mitte Mai nach drei Monaten gehen. Seit Mitte Juni sitzt Danny Röhl auf der Bank, 37 Jahre alt, Vertrag bis 2029, geholt von den Glasgow Rangers für eine kolportierte Ablöse von rund zwei Millionen Euro. Sport-Geschäftsführer Marcus Mann nannte ihn den Wunschtrainer.
Röhls Weg passt zum Klub, das muss man anerkennen. Videoanalyst bei RB Leipzig, Co-Trainer unter Ralph Hasenhüttl in Southampton, Assistent beim FC Bayern und bei der deutschen Nationalmannschaft unter Hansi Flick, danach zwei Jahre Chefcoach bei Sheffield Wednesday und acht Monate bei den Rangers. Er kennt den Kosmos, aus dem er kommt, und er kennt den Druck, der auf einem Traditionsklub liegt.
Was er in Salzburg übernommen hat, ist trotzdem ein Baustellenkader. Die dritte Etage der europäischen Klublandschaft war für diesen Verein zwanzig Jahre lang unvorstellbar. Jetzt ist sie die Ausgangslage. Wer das schönredet, tut dem Klub keinen Gefallen.
Der Kaderumbau, den Röhl geerbt hat
Die Abgänge finanzieren weiterhin alles
Joane Gadou ging für 19,5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Jannik Schuster wechselte für 18 Millionen zum FC Brentford. Mads Bidstrup brachte 10,5 Millionen von Olympique Lyon, Kerim-Sam Alajbegović 8 Millionen von Bayer Leverkusen. Alexander Schlager ging zu Werder Bremen, Adam Daghim inzwischen zur TSG Hoffenheim.
Das Modell funktioniert also weiterhin tadellos. Die Transferbilanz für diesen Sommer liegt deutlich im Plus. Nur wird eben jedes Jahr die Achse verkauft, die im Jahr davor mühsam zusammengespielt wurde, und irgendwann fehlt jemand, der einem 19-Jährigen in der 70. Minute eines Rückspiels erklärt, wie man ein Ergebnis über die Zeit bringt.
Die Zugänge brechen mit einem Muster
Kévin Boma kam für 7 Millionen von Estoril Praia, Bartosz Mazurek für 6 Millionen aus Bialystok, Filip Matijašević für 4 Millionen von Čukarički, Nikolas Veratschnig für 3,5 Millionen aus Mainz, Dominik Schmid für 3 Millionen vom FC Basel und Abubakr Barry für 3 Millionen von der Austria.
Der interessanteste Zugang ist Haris Tabaković. 32 Jahre alt, 5 Millionen Euro Ablöse, aus Hoffenheim. Nach klassischer Salzburger Logik hätte es diesen Transfer nie gegeben. Er zeigt, dass im Klub jemand verstanden hat, dass ein Kader aus lauter 19-Jährigen keine Qualifikationsspiele gewinnt.
Die Kehrseite steht daneben und ist unangenehm. Lucas Gourna-Douath, Aleksa Terzić, Zétény Jánó und Mamady Diambou trainieren nach Informationen der Salzburger Nachrichten nicht mehr mit der Kampfmannschaft. Maurits Kjaergaard und Hendry Blank gelten als Verkaufskandidaten. Edmund Baidoo flog vor dem Hartberg-Spiel aus dem Kader, weil er sich während des Interesses von Club Brügge nicht angemessen verhalten und Trainings ferngeblieben sein soll.
Sechs bis sieben Profis, die Gehalt beziehen und sportlich keine Rolle spielen, während das Transferfenster noch bis Anfang September offen ist. Röhl geht mit einem unfertigen Kader in das wichtigste Spiel seiner bisherigen Amtszeit. Das ist keine Entschuldigung, aber es gehört zur Wahrheit.
Was der Hartberg-Auftakt wirklich gezeigt hat
1:0 gegen den TSV Hartberg. Karim Konaté per Kopf in der 89. Minute, nach einer Flanke von Dominik Schmid. Vorher: 36 Torschüsse, rund 75 Prozent Ballbesitz vor der Pause, elf Ecken allein in Halbzeit eins. Röhl schickte den 19-jährigen Valentin Zabransky überraschend in die Innenverteidigung, dazu debütierten Boma, Schmid und Gaoussou Diakité.
Es war der zweite Pflichtspielsieg in Serie. Eine Woche davor hatte die Mannschaft die erste Cup-Runde beim SV Oberwart mit 7:1 abgeräumt, was über die Verfassung des Kaders wenig aussagt, über die Torgefahr gegen einen unterklassigen Gegner aber immerhin etwas. Dazu die Statistik, die in Salzburg gerne zitiert wird: Seit 2016 wurde kein erstes Ligaspiel einer Saison verloren, zu Hause gab es bei einem Saisonauftakt seit dem Jahr 2000 keine Niederlage mehr. Nebenbei war das 1:0 die Revanche für das 1:3 gegen dieselben Steirer in der letzten Runde der Vorsaison.
Die gute Nachricht: Die Struktur stimmt. Diese Mannschaft kommt in den letzten Drittel, sie erzeugt Abschlüsse, sie verliert nach Ballverlusten nicht die Ordnung. Zabransky spielte nach Einschätzung seines Trainers nahezu fehlerfrei und lief viel. Für ein erstes Pflichtspiel unter einem neuen Coach ist das mehr, als man erwarten durfte.
Die schlechte Nachricht ist die gleiche wie in der letzten Saison. 36 Abschlüsse für ein Tor sind kein Pech, das ist ein Muster. Gegen einen tiefen Block fehlt der Mannschaft der Moment, in dem jemand die Verantwortung übernimmt und den Ball einfach reinmacht. Es fehlte auch ein zweiter Plan. Viele Hereingaben fanden keinen Abnehmer, weil im Strafraum niemand stand, der Flanken zu Toren macht.
Genau darum wird es Donnerstag gehen. Ricardo Sá Pinto wird seine Elf tief stellen, das Zentrum verdichten und auf Konter warten. Wenn Salzburg dann wieder 36 Mal schießt und einmal trifft, fährt man mit einem 1:0 nach Limassol. Und ein 1:0 ist gegen diese Mannschaft zu wenig.
Bitter dazu: Gegen Pafos fehlen laut Klubangaben Hendry Blank, Anrie Chase, Stefan Lainer, Johannes Moser und Justin Omoregie. Die Abwehr bleibt also jung, neu zusammengesetzt und dünn besetzt.
Pafos FC ist kein Losglück
Ein Klub, den es vor zwölf Jahren noch nicht gab
Pafos entstand 2014 aus der Fusion von AEP Paphos und AEK Kouklia. Seit 2017 steht Total Sports Investments rund um Roman Dubov dahinter, seither wurde in Trainingszentrum, Akademie und Kader investiert. Die internationalen Heimspiele trägt der Klub in Limassol aus, weil das eigene Stelios-Kyriakides-Stadion mit seinen 9.300 Plätzen die UEFA-Kriterien nicht erfüllt.
Wer über einen zyprischen Cupsieger schmunzelt, hat die letzten beiden Jahre nicht verfolgt.
Neun Punkte in der Champions League
In der Saison 2025/26 spielte Pafos in der Ligaphase der Champions League. Neun Punkte, zwei Siege, drei Unentschieden. Villarreal wurde mit 1:0 geschlagen, Slavia Prag ebenfalls bezwungen, gegen Monaco gab es ein 2:2. Für die K.-o.-Phase reichte es am Ende nicht, das entschied das Torverhältnis.
In der heimischen Liga wurde Pafos danach nur Vierter, holte aber Ende Mai zum zweiten Mal den Cup. Deshalb steht der Klub jetzt in der Europa-League-Qualifikation und nicht in der Königsklasse.
Wie diese Mannschaft tickt, hat sie vor zwei Wochen gezeigt. Nach der 0:2-Hinspielniederlage bei Hajduk Split lag Pafos im Rückspiel bis kurz vor Schluss auf der Verliererstraße. Guga traf in der 40. Minute, Kapitän David Goldar in der 90.+1 zum Ausgleich im Gesamtscore. In der Verlängerung machten Biel und João Correia daraus ein 4:0 und einen Gesamtscore von 4:2.
Das ist die Sorte Comeback, die man nicht mit Taktik erklärt.
Sá Pinto und seine Routiniers
Ricardo Sá Pinto übernahm Ende April und verlängerte im Juni um ein weiteres Jahr. Der 53-jährige Portugiese hat Sporting Lissabon, Roter Stern Belgrad, Standard Lüttich, Legia Warschau, Braga und Vasco da Gama trainiert und führte APOEL zum zyprischen Meistertitel. Er kennt das Land, er kennt die Liga, und er hat den Ruf, seine Teams über Intensität und Bissigkeit zu führen.
Der Kader besteht aus Legionären mit Kilometern in den Beinen. Der 39-jährige David Luiz ist der prominenteste Name, dazu kommen Goldar, Ivan Šunjić, Derrick Luckassen, Vlad Dragomir, Anderson Silva, Ken Sema, Mislav Oršić, Domingos Quina und João Correia, der in der Vorsaison zehn Ligatore erzielte. Röhl beziffert das Durchschnittsalter auf etwa 28 bis 29 Jahre und hat sein Team zu beiden Hajduk-Spielen vor Ort beobachten lassen.
Salzburgs Startelf gegen Hartberg war im Schnitt fast ein Jahrzehnt jünger. In einem Hinspiel unter Druck ist das keine Kleinigkeit.
Wo dieses Duell kippen kann
Drei Dinge entscheiden aus meiner Sicht das Hinspiel.
Erstens die Chancenverwertung. Wenn Salzburg wieder dreißig Abschlüsse für ein Tor braucht, ist die Qualifikation nach 180 Minuten offen. Konaté hat gegen Hartberg gezeigt, dass er den Moment findet. Tabaković kann als Anspielstation im Strafraum genau das lösen, was gegen den tiefen Block gefehlt hat.
Zweitens die Standards. Elf Ecken in einer Halbzeit sind eine Ressource, wenn jemand im Sechzehner die Räume attackiert. Schmids Flanke zum Siegtreffer war kein Zufallsprodukt, sondern die beste Aktion eines Spielers, der vorne sonst wenig beitrug.
Drittens die Umschaltmomente gegen die eigene Restverteidigung. Zabransky ist 19, Boma hat 90 Bundesliga-Minuten in Österreich, und Pafos hat gegen Villarreal bewiesen, dass ein einziger sauberer Konter reicht. Wenn Salzburg mit vier Offensivspielern gleichzeitig anläuft und den Ball verliert, wird es gefährlich.
Dazu kommt ein Punkt, der in Vorschauen selten auftaucht: der Rhythmus. Pafos hat gegen Hajduk 120 Minuten in den Beinen und zwei enge Europacup-Abende hinter sich, während die zyprische Liga noch nicht gestartet ist. Salzburg hat gegen Oberwart und Hartberg zwei Spiele bestritten, die mit einem Qualifikationsabend unter Flutlicht wenig gemeinsam haben. Wer im internationalen Bewerb schon einmal zurücklag und zurückgekommen ist, geht anders in die Schlussphase.
Röhls Wechsel haben am Samstag funktioniert. Er wird sie am Donnerstag wieder brauchen.
Was am Donnerstag tatsächlich auf dem Spiel steht
Der Satz, dass es um alles geht, klingt gut und stimmt nicht. Wer diese Runde verliert, fällt ins Play-off der Conference League. Europa bleibt also, aber eine Etage tiefer.
Worum es tatsächlich geht: um Prämiengeld, das im Budget eines Klubs mit dieser Kostenstruktur spürbar ist. Um Gegner, gegen die sich Spieler zeigen können, was direkt auf den Marktwert durchschlägt. Um Argumente in einem Transferfenster, das noch vier Wochen offen ist und in dem sechs Profis auf Angebote warten. Und um die Frage, ob der Umbruch unter Röhl als Neuanfang oder als weiterer Schritt nach unten erzählt wird.
Der Gewinner trifft im Play-off übrigens auf den Verlierer aus Mjällby AIF gegen Slovan Bratislava. Das ist machbar. Deshalb ist dieses Hinspiel so wichtig.
Die Kurve trägt das ohnehin
7.735 Zuschauer beim Saisonauftakt gegen Hartberg. Das ist eine Zahl, die weh tut, und sie hat viele Gründe: die Weltmeisterschaft im Sommer, die Ferienzeit, ein Gegner ohne Zugkraft, ein Klub, der viele Menschen in dieser Stadt nach wie vor auf Distanz hält.
Was mich an solchen Abenden trotzdem trägt, ist die Nordkurve. Die Vorschreier stehen dort am selben Fleck und geben Takt vor, wenn auf dem Rasen der Rhythmus fehlt. Sie haben Meistertitel begleitet, Trainerwechsel überstanden und jeden Sommer erlebt, in dem die halbe Mannschaft verkauft wurde. Sie fragen nicht nach Transferbilanzen. Sie sind einfach da.
Zabransky hat nach seinem Debüt gesagt, dass die Unterstützung bis zur letzten Sekunde spürbar war. Ein 19-Jähriger, der in seinem ersten Pflichtspiel zuerst über die Fans spricht, sagt einiges darüber, was diese Kurve leistet.
Donnerstag muss lauter werden als Samstag. Eine junge Innenverteidigung braucht in der 80. Minute genau diese Art von Rückhalt.
Warum ich am Donnerstag trotzdem hoffnungsvoll in die Arena gehe
Diese Mannschaft ist jung, unfertig und im Abschluss unzuverlässig. Sie hat gegen Hartberg trotzdem bis zur 89. Minute weitergespielt, statt nervös zu werden. Das ist ein Anfang, mehr nicht, aber immerhin ein Anfang.
Am 12. August wird in unserem Stadion europäischer Spitzenfußball gespielt, während wir zuschauen. Am 13. August entscheidet sich in Limassol, ob wir in dieser Saison selbst auf dieser Bühne stattfinden. Zwischen diesen beiden Terminen liegt das Hinspiel am Donnerstag. Anpfiff 19 Uhr, Schiedsrichter Damian Sylwestrzak aus Polen.
Zwei Tore Vorsprung wären das Minimum, mit dem man beruhigt(er) nach Zypern fahren würde.


