Pafos gegen Salzburg: Ein Rückblick auf ein Spiel, das ich am liebsten vergessen würde, wenn da nicht Tabakovic gewesen wäre

Inhalt
ARTIKEL TEILEN

Ich habe mir das Rückspiel in Limassol angeschaut und musste zwischenzeitlich zweimal tief durchatmen. Nicht wegen der Hitze, die den Spielern zugesetzt hat, sondern wegen dem, was meine Mannschaft in der ersten Hälfte auf den Rasen gebracht hat. Was folgte, war einer der verrücktesten Fußballabende der letzten Jahre. Am Ende steht ein 3:3, ein Aufstieg ins Play-off der Europa League und ein Spieler, der das Spiel im Alleingang gedreht hat. Der Reihe nach, aber weniger als Nacherzählung, mehr als Frage nach dem Warum.

Eine erste Halbzeit, bei der Tipp-Kick mehr Zug zum Tor hatte

Ich sage es, wie es war. Die ersten 45 Minuten von Red Bull Salzburg gegen Pafos waren fußballerisch ein Offenbarungseid. Da war weniger Struktur im Spiel als bei einer Partie Tipp-Kick auf dem Wohnzimmertisch. Bei Tipp-Kick bewegt sich wenigstens die Figur, wenn man draufdrückt. Bei meiner Mannschaft ist in den ersten 45 Minuten fast nichts passiert, außer dass der Ball ständig den Besitzer gewechselt hat, meistens zugunsten der Gastgeber.

Pafos gegen "Tipp Kick" Salzburger. So fühlte sich die erste Hälfte an. Dass das Bild KI-generiert ist, muss ich wohl nicht erwähnen :)
Pafos gegen „Tipp Kick“ Salzburger. So fühlte sich die erste Hälfte an. Dass das Bild KI-generiert ist, muss ich wohl nicht erwähnen 🙂

Danny Röhl hatte gegenüber dem Hinspiel drei Änderungen vorgenommen. Bartosz Mazurek, Sota Kitano und Haris Tabakovic rückten für die verletzten Soumaila Diabate und Gaoussou Diakite sowie den zuletzt ebenfalls angeschlagenen Edmund Baidoo in die Startelf. Diese Rotation war der Personalnot geschuldet, das nehme ich Röhl nicht übel.

Nach meinem Eindruck war Pafos in Hälfte eins schlicht die giftigere, präsentere Mannschaft im Zweikampf, offizielle Lauf- oder Zweikampfdaten zum Spiel liegen mir nicht vor, das ist meine Einschätzung als Beobachter. Objektiv festhalten lässt sich, dass Salzburg in dieser Phase kaum eigene Torgefahr entwickelte und zwei strukturell unterschiedliche Gegentore kassierte: das 1:0 durch einen Kopfball von Lele nach einem Wechselpass und einer Flanke des früheren LASK-Profis Bruno Felipe (15.), das 2:0 durch einen direkten Freistoß von Biel aus halblinker Position (37.). Zwei Gegentore aus zwei völlig unterschiedlichen Situationen, ruhender Ball und offenes Spiel, das deutet für mich darauf hin, dass es kein einzelner Ausrutscher war, sondern ein grundsätzliches Problem mit der Konzentration über die gesamte erste Halbzeit.

Der Bruch nach der Pause: Wie Tabakovic ein totes Spiel wiederbelebte

Direkt nach dem Seitenwechsel ließ Sunjic einen Fehlpass von Barry unbestraft und scheiterte an Torhüter Zawieschitzky, kurz darauf verzog Vertessen nach einer Ablage von Baidoo knapp. Beide Szenen zeigen, dass Salzburg von der ersten Minute der zweiten Hälfte an präsenter im gegnerischen Strafraum war als noch in Halbzeit eins. Dann schlug die Stunde von Haris Tabakovic: 54. Minute vom Fünfmeterraum ins rechte Eck, 58. Minute per Foulelfmeter nach Handspiel von Goldar bei einer Flanke von Kapitän Veratschnig, 70. Minute nach einem abgeblockten Schuss von Baidoo zum Hattrick abgestaubt. Drei Treffer in sechzehn Minuten gegen einen Gegner, der bis dahin über weite Strecken die präsentere Mannschaft war.

Ich will an dieser Stelle nicht übertreiben und aus einer Einzelaktion eine ganze Systemänderung herbeireden. Aber was Tabakovic in dieser Phase gezeigt hat, war kaltschnäuziger Instinkt im Strafraum, genau die Chancenverwertung, die diesem Team seit Saisonbeginn gefehlt hat. Wo andere zögern oder den Ball verstolpern, war der Neuzugang zur Stelle. Das ist keine Kleinigkeit, das ist der Unterschied zwischen einem Ausscheiden und dem Aufstieg ins Play-off.

Dass Pafos in der Schlussphase nochmals zum 3:3 durch Mammadov kam, nachdem sich die Salzburger Defensive bei einer kurz gespielten Ecke überraschen ließ, zeigt, dass die Konzentration auch in der besseren zweiten Hälfte nicht durchgängig da war. Aber der Gesamtscore von 4:3 über beide Spiele hat gereicht, und das ist am Ende das, was zählt.

Pafos verdient Respekt, auch wenn der Name hierzulande wenig sagt

Wer Pafos nur als weitgehend unbekannten Klub aus Zypern abtut, macht es sich zu einfach. Der Verein wurde erst 2014 gegründet, ist aber in den letzten Jahren extrem schnell gewachsen. In der vergangenen Saison hat Pafos als zypriotischer Meister zum ersten Mal überhaupt in der Champions League gespielt, und zwar nicht als Fußballmacht, sondern in der Ligaphase des neuen Formats gegen Namen wie Bayern München, Villarreal, Monaco, Juventus und Chelsea. Gegen Villarreal hat Pafos sogar gewonnen, gegen Bayern gab es zwar eine deutliche Niederlage, aber insgesamt war das für einen Debütanten eine überraschend robuste Vorstellung.

Ein Kader mit Spielern wie dem ehemaligen Champions-League-Sieger David Luiz in der Innenverteidigung zeigt, dass hier mit Ambition und Geld gearbeitet wird. Dass diese Mannschaft uns in der ersten Halbzeit läuferisch und körperlich vorgeführt hat, ist also keine Blamage im luftleeren Raum, sondern das Resultat eines Gegners, der aktuell mehr investiert als wir in den ersten 45 Minuten abgerufen haben. Genau deshalb wiegt die Aufholjagd am Ende noch schwerer.

Was bleibt von Limassol

Wenn ich ehrlich bin, überwiegt bei mir trotz des Aufstiegs ein flaues Gefühl, wenn ich an die erste Hälfte denke. Diese Mannschaft hat in den letzten Wochen ein Muster gezeigt, das sich fortsetzt: viel Ballbesitz, viele Abschlüsse, aber zu selten die nötige Konsequenz im letzten Drittel, dazu Phasen, in denen die Organisation gegen den Ball komplett fehlt. Gegen Hartberg hat es knapp gereicht, beim Remis in Wolfsberg hat es nicht gereicht, und jetzt gegen Pafos hätte es beinahe nicht gereicht, wenn nicht ein einzelner Spieler die Mannschaft getragen hätte. Nach meinem Eindruck reduziert sich dieses Muster nicht auf die Chancenverwertung allein, auch die erste Halbzeit gegen Pafos wirkte über weite Strecken zu passiv gegen den Ball.

Das darf so auf Dauer nicht das Erfolgsrezept bleiben, dafür ist die Qualität im Kader eigentlich zu hoch. Karim Konaté, der nach seiner Verletzung noch immer nicht in alte Form gefunden hat, war in Limassol erneut kein Faktor, das muss man an dieser Stelle festhalten, auch wenn es unangenehm ist.

Der nächste Gegner: das schwedische Fußballmärchen Mjällby AIF

Im Play-off wartet nun eine der schönsten Geschichten, die der europäische Fußball aktuell zu bieten hat. Mjällby AIF kommt aus Hällevik, einem Fischerort in der südschwedischen Provinz Blekinge mit gerade einmal rund 800 Einwohnern, und hat im Oktober 2025 völlig überraschend den ersten schwedischen Meistertitel der Vereinsgeschichte geholt, mit einem Kader, der größtenteils aus Spielern aus der eigenen Region besteht. In diesem Sommer hat der Klub das Double perfekt gemacht und zusätzlich den schwedischen Landespokal gewonnen.

Wer diese Geschichte verfolgt hat, weiß, dass es sich hier nicht um irgendeinen x-beliebigen Aufsteiger handelt, sondern um eines der bemerkenswertesten Underdog-Märchen der letzten Jahre im europäischen Fußball. In der Champions-League-Qualifikation ist Mjällby als schwedischer Meister direkt in die zweite Qualifikationsrunde eingestiegen und hat dort gegen Lincoln Red Imps aus Gibraltar mit einem 3:0-Heimsieg und einem 0:0-Remis im Rückspiel den Sprung in die dritte Runde geschafft. Dort war jedoch gegen Slovan Bratislava Endstation. Nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel in Schweden hat sich der slowakische Meister im Rückspiel mit einem 2:0 durchgesetzt, macht in Summe ein 1:4 aus schwedischer Sicht. Damit ist Mjällby aus der Champions-League-Qualifikation in die Play-off-Runde der Europa League durchgereicht worden, wo nun wir als Gegner warten.

Sportlich sollte man diese Aufgabe nicht unterschätzen, auch wenn Mjällby auf dem Papier der krasse Außenseiter ist. Ein Team, das eine ganze nationale Liga dominiert und zusätzlich den Pokal gewinnt, hat eine funktionierende Idee und Selbstvertrauen im Übermaß, unabhängig vom individuellen Renommee der Spieler. Unter dem neuen Trainer Karl Marius Aksum, der nach dem Titelgewinn die Nachfolge von Anders Torstensson angetreten hat, bleibt der eingespielte Kern der Meistermannschaft zusammen. Ich erwarte ein sehr diszipliniertes, kollektives Team ohne große Namen, aber mit viel Laufbereitschaft, das ist eine Einschätzung basierend auf dem bisherigen Auftreten, keine belegte Spielanalyse.

Genau diese Zuordnung und Zweikampfbereitschaft im Kollektiv hat uns in der ersten Halbzeit gegen Pafos gefehlt. Für Salzburg bedeutet das: Der Spielaufbau muss von der ersten Minute an sauberer stehen, die Halbräume müssen konsequent besetzt werden, und im Gegenpressing braucht es die Aggressivität, die zuletzt erst nach dem Seitenwechsel kam. Die Hinspiele im Play-off werden am 20. August ausgetragen, die Rückspiele eine Woche später am 27. August. Wenn Red Bull Salzburg diese Aufgabe seriös angeht und die strukturellen Fehler aus Zypern nicht wiederholt, sollte der Einzug in die Ligaphase der Europa League machbar sein. Aber seriös angehen heißt, von Anfang an präsent zu sein, und nicht erst nach einem Rückstand aufzuwachen.

Ein Wort zum Schluss

So kritisch ich die erste Halbzeit auf Zypern sehe, so sehr überwiegt am Ende die Freude über den Aufstieg. Ein Team, das nach einem 0:2-Rückstand gegen einen Champions-League-erprobten Gegner nicht den Kopf verliert, sondern durch bessere Struktur und einen überragenden Tabakovic zurückkommt, zeigt trotz allem eine mentale Stärke, die man nicht kleinreden sollte. Die Nordkurve wird diesen Aufstieg zu schätzen wissen, so wie sie es immer tut, egal wie holprig der Weg dorthin war. Jetzt heißt es Kräfte sammeln für Mjällby, und hoffentlich eine erste Halbzeit sehen, die diesen Namen auch verdient.

ARTIKEL TEILEN

Bitte bewerte den Artikel!

Porträt von Alex Januschewsky, Herausgeber von S12.at
Über den Autor
Alex Januschewsky
Herausgeber und Autor von S12.at
Ich mache S12.at allein. Kein Redaktionsteam, kein Vereinsfilter, keine Rücksicht auf gute Stimmung. Was du hier liest, kommt aus Spielen, die ich gesehen habe, und aus Entwicklungen, die ich über Jahre mitverfolgt habe. Schönfärberei findest du woanders. Mir geht es um Analysen, die auch dann noch halten, wenn sie unbequem sind. Der Weg der Salzburger Mannschaft steht dabei im Mittelpunkt, weil mir ihre Entwicklung näher geht als jede Tabellenzeile.
Bundesliga
Europacup
Transfermarkt
Taktik
Fankultur
S12.at ist kein offizielles Vereinsmedium. Die Texte schreibe ich selbst, künstliche Intelligenz nutze ich nur zur Prüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Lesefluss sowie für einzelne Bilder.
Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

BEITRAGSNAVIGATION
FC Red Bull Salzburg · Heimspieltag

Parkplatzparty

Shuttleparkplatz Ost
Dein Kontakt zur Fanszene

Die Party startet vor dem Stadion!

Gegrilltes, kalte Getränke, heiße Diskussionen und ein Gefühl, das du nur hier erlebst: Die Parkplatzparty ist der Treffpunkt der Salzburger Fanszene. Komm vorbei, egal ob zum ersten Mal oder seit Jahren dabei. Hier gehörst du dazu.

Sei dabei