Drei Pflichtspiele, drei Mal dasselbe Bild. Der FC Red Bull Salzburg dominiert, erspielt sich reihenweise Chancen und tut sich trotzdem schwer, die Gegner niederzuringen. Gegen Hartberg brauchte es ein Tor in der 89. Minute, gegen Pafos eines in der 88., beim WAC reichte es am Ende trotz klarem Chancenplus nur zu einem Remis. Unter Danny Röhl ist der neue Trainer da, die Achillesferse der vergangenen Jahre aber offenbar noch nicht verschwunden. Zeit für eine ehrliche Einordnung, drei Spiele und ein Blick auf das, was am Donnerstag in Limassol ansteht.
Der Auftakt: Zittersieg gegen tief stehende Hartberger
Der Saisonstart hätte symbolischer nicht ausfallen können. Röhls erstes Pflichtspiel als Bullen-Trainer, ein Heimspiel gegen den TSV Hartberg, der die Mozartstädter in der eigenen Arena seit Dezember 2024 nicht mehr verloren hatte. Das Muster war schnell erkennbar: Salzburg übernahm sofort das Kommando, erspielte sich elf Eckbälle allein bis zur Pause und ließ Hartberg kaum Luft zum Atmen. Nur beim Toreschießen fehlte lange die letzte Konsequenz. Hartbergs Debüt-Torhüter Armin Pecsi wuchs über sich hinaus und hielt sein Team mit mehreren starken Paraden im Spiel.
Erst der eingewechselte Karim Konate brachte in der 89. Minute die Erlösung. Nach einer Flanke von Dominik Schmid stieg er hoch und köpfelte platziert zum 1:0-Endstand ein, sein zweiter Kopfballversuch nach einem knapp verzogenen ersten. Am Ende standen 36 Torschüsse zu Buche, eine Zahl, die für sich spricht. Der Sieg war absolut verdient, aber er zeigte bereits, worauf sich die Saison zubewegen könnte: Dominanz allein reicht nicht, wenn die Chancenverwertung hakt.
Pafos-Hinspiel: Ein später Treffer, teuer erkauft
Vier Tage später ging es weiter, europäisch diesmal. Zum Einstieg in die Qualifikation zur UEFA Europa League empfing Salzburg den zyprischen Cupsieger FC Pafos, immerhin Champions-League-Teilnehmer der vergangenen Saison. Die Partie geriet zu einem denkwürdigen Abend. Sintflutartiger Regen verwandelte die Red Bull Arena zeitweise in ein Schwimmbecken und sorgte für eine fast zweistündige Unterbrechung. Sportlich bot sich erneut ein bekanntes Bild: Salzburg war spielbestimmend, ohne früh den entscheidenden Treffer zu setzen. Pafos hielt dagegen, kam durch Lele nach einem Ballverlust von Dominik Schmid sogar zu einer gefährlichen Einzelaktion, die Christian Zawieschitzky mit einer starken Rettungstat entschärfte.
Die Lösung kam erneut von der Bank. Haris Tabakovic, im Sommer verpflichtet und mit seinen 32 Jahren ein bewusster Bruch mit der sonst so jugendorientierten Transferpolitik der Mozartstädter, traf in der 88. Minute zu seinem Premierentor im Bullen-Dress. Ein knapper, aber wichtiger 1:0-Vorteil vor dem Rückspiel. Getrübt wurde der Abend durch eine schwere Verletzung von Enrique Aguilar, der sich am Handgelenk verletzte und seither außer Gefecht ist. Trainer Röhl bezeichnete den Erfolg deshalb selbst als teuer erkauft.
Das WAC-Remis: Überlegen, aber ohne Lohn
Kaum drei Tage nach der Europacup-Strapaze folgte die Auswärtsfahrt zum WAC, und dort setzte sich die Geschichte praktisch identisch fort, nur ohne das erlösende späte Tor. Die Bullen übernahmen früh die Kontrolle, kamen bereits vor der Pause auf fünf Schüsse aufs Tor und erspielten sich klare Chancen durch Aboubacar Camara und Haris Tabakovic. Auf der Gegenseite stand mit Nikolas Polster ein Torhüter im Kasten, der an diesem Nachmittag schlicht nicht zu überwinden war. Er hielt gegen Camara, gleich zweimal gegen Tabakovic, gegen Karim Konate und gegen Frans Krätzig, seine Parade nach einer knappen Stunde gegen einen Doppelabschluss von Konate war der bisherige Höhepunkt seiner starken Saison.
Und dann kam die Szene, die dem Spiel seine bittere Note gab. Nach einem abgewiesenen Elfmeterappell der Salzburger wegen eines Zweikampfs zwischen Tabakovic und WAC-Verteidiger Cheick Diabate schlugen die Kärntner aus dem Nichts zu. Fabian Wohlmuth leitete den Ballgewinn ein, Giacomo Vrioni verwertete zentral zum 1:0 (67.). Salzburg drängte in der Folge auf den Ausgleich und wurde durch Yorbe Vertessen belohnt, der nach einer Freistoßflanke von Krätzig und einer Kopfballverlängerung von Kevin Boma in der 79. Minute zum 1:1 traf. Mehr war trotz aller Bemühungen in der Schlussphase nicht mehr drin. Trainer Röhl brachte es nach der Partie auf den Punkt: Das Spiel hätte man gewinnen müssen, das Manko sei die Chancenverwertung, man habe zwei Punkte liegen gelassen.
Das Muster: Wo genau liegt das Problem
Drei Spiele, drei Mal Chancenplus, nur ein Vollerfolg mit später Erlösung, ein knapper Europacup-Vorteil und ein Remis, das sich wie eine Niederlage anfühlt. Wer genauer hinschaut, erkennt zwei Ebenen des Problems. Zum einen die individuelle Chancenverwertung: Gegen Hartberg brauchte es 36 Abschlüsse für ein Tor, gegen den WAC blieb es bei einem Chancenplus ohne Lohn. Namen wie Konate, Tabakovic und Camara zeigen zwar ihre Präsenz im letzten Drittel, doch die Effizienz fehlt noch. Zum anderen spielt der Faktor Gegner-Torhüter eine Rolle, die man nicht kleinreden sollte. Sowohl Pecsi bei Hartberg als auch Polster beim WAC lieferten Sahnetage ab, wie sie in der Bundesliga nicht jede Woche vorkommen. Das relativiert die Kritik an der eigenen Offensive ein Stück weit, ändert aber nichts am Punktverlust.
Hinzu kommt die neue Achse in der Innenverteidigung und im Sturm, die sich erst finden muss. Mit Valentin Zabransky, Kevin Boma und Dominik Schmid stehen gleich mehrere Spieler neu in der Defensive, während mit Haris Tabakovic erstmals seit Jahren wieder ein gestandener Mittelstürmer jenseits der klassischen Nachwuchsphilosophie im Kader steht. Solche Umbrüche brauchen Zeit, keine Frage. Die Frage ist nur, wie viel Zeit man dieser Mannschaft in einer Liga geben kann, in der der WAC nach zwei Spieltagen bereits vier Punkte hat und selbstbewusst auftritt.
Interessant ist auch der Blick auf die Rolle der Einwechselspieler. Sowohl gegen Hartberg als auch gegen den WAC kam der entscheidende Impuls von der Bank. Konate brachte gegen Hartberg den Unterschied, Tabakovic gegen Pafos, und beim WAC waren es wiederum Wechselspieler, die für Belebung sorgten, ohne dass am Ende ein weiteres Tor dabei herausgesprungen wäre. Röhl selbst sprach nach dem Pafos-Spiel davon, im richtigen Moment ein Joker-Tor erzielt zu haben, was für die Qualität der Bank spreche. Das stimmt zweifellos, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, warum die Startformation in den entscheidenden Phasen so oft ins Stocken gerät. Eine Mannschaft, die sich in den ersten 60 bis 70 Minuten regelmäßig auf ihre Auswechselspieler verlassen muss, um den nötigen Punch zu entwickeln, hat strukturell noch Luft nach oben, so viel Ehrlichkeit muss an dieser Stelle erlaubt sein.
Auch die Standardsituationen verdienen einen zweiten Blick. Sowohl beim WAC als auch bei Hartberg entstanden die Gegentreffer beziehungsweise die gefährlichsten Szenen der Gegner aus ruhenden Bällen oder schnellen Umschaltmomenten, während die eigenen Chancen überwiegend aus dem Spiel heraus entstanden. Das ist grundsätzlich kein schlechtes Zeichen, weil es von spielerischer Überlegenheit zeugt. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass die Defensivarbeit bei ruhenden Bällen und in Umschaltsituationen noch nicht die nötige Stabilität hat, um die eigene Dominanz auch konsequent in Punkte umzumünzen.
Die Fandebatte: Geduld oder Alarmstufe Rot
Genau an diesem Punkt trennen sich gerade die Meinungen unter den Anhängern, und das durchaus lautstark. Der eine Teil der Fanszene argumentiert nachvollziehbar mit dem Umbruch. Ein neuer Trainer, ein neuer Sportdirektor in Marcus Mann, mehrere neue Abwehrspieler und mit Tabakovic ein Transfer, der so gar nicht ins gewohnte Bild passt. Wer hier schon nach drei Spielen Alarm schlägt, ignoriert die Realität eines Umbruchsommers.
Der andere Teil, und der meldet sich in den sozialen Medien deutlich vernehmbarer, sieht das anders. Drei Pflichtspiele, drei Mal ein Sieg oder Punktgewinn erst in letzter Sekunde oder gar keiner, das sei kein Zufall mehr, sondern ein strukturelles Problem, das schon in den vergangenen Spielzeiten sichtbar war. Die Chancenverwertung war schon unter den Vorgängertrainern ein wiederkehrendes Thema, und wer glaubt, ein Trainerwechsel allein löse das automatisch, der irrt womöglich.
Beide Seiten haben einen validen Punkt, und genau das macht die Debatte so interessant. Fakt ist: Die Ergebnisse stimmen bislang noch halbwegs, die Art und Weise lässt aber Zweifel offen. Vier Punkte aus zwei Ligaspielen und ein knapper Europacup-Vorteil sind kein Beinbruch, aber auch kein Grund zur Entspannung. Wer als sportliche Führung den Titel ausgegeben hat, muss sich früher oder später an genau diesen Nuancen messen lassen. Die Geduld der Fanszene ist ein wertvolles Gut. Sie sollte nicht überstrapaziert werden.
Bemerkenswert ist zudem, wie unterschiedlich die Kritik in den einzelnen Kanälen ausfällt. Auf den einschlägigen Foren und in den Kommentarspalten der Sportportale dominiert inzwischen ein deutlich schärferer Ton als noch vor wenigen Wochen, als der Trainerwechsel und die Verpflichtung von Tabakovic noch als mutiger Neuanfang gefeiert wurden. Innerhalb der Kurve selbst ist die Stimmung differenzierter. Dort wird zwischen dem Prozess, den man der neuen sportlichen Führung durchaus zubilligt, und dem konkreten Ergebnis auf dem Platz unterschieden. Diese Trennschärfe fehlt in der Debatte im Netz oft, wo ein einzelnes Spiel schon zur grundsätzlichen Bestandsaufnahme hochstilisiert wird. Für die Einordnung lohnt sich ein Blick auf die Tabelle nach zwei Runden: Der WAC liegt mit vier Punkten gleichauf mit den Bullen, punktgleich, aber mit dem besseren Spielverlauf. Das ist eine Momentaufnahme, keine Diagnose, aber sie zeigt, dass der Vorsprung an Substanz, den sich Salzburg in den vergangenen Jahren erarbeitet hat, kein Selbstläufer mehr ist.
Ausblick: Das Rückspiel gegen Pafos am Donnerstag
Am kommenden Donnerstag, dem 13. August, steht um 19 Uhr das Rückspiel gegen Pafos in Limassol an, live übertragen von ServusTV. Der knappe 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel ist ein Polster, aber kein Ruhekissen. Pafos zeigte in Salzburg phasenweise, dass die Mannschaft von Ricardo Sá Pinto giftig kontern und mit erfahrenen Legionären wie dem 39-jährigen Kapitän David Luiz durchaus für Nadelstiche sorgen kann. Schon im Hinspiel hatte Christian Zawieschitzky bei einer Großchance von Lele sein Können unter Beweis stellen müssen.
Für Salzburg bedeutet das Rückspiel vor allem eines: den eigenen Matchplan konsequenter zu Ende zu spielen. Ein früher Treffer würde die Partie beruhigen und Pafos zwingen, mehr zu riskieren, was wiederum Räume für die schnellen Offensivkräfte der Bullen öffnen würde. Bleibt es dagegen bei der bisherigen Chancenverwertung, könnte ein einzelner Nadelstich der Zyprioten reichen, um die Partie in die Verlängerung oder sogar ins Elfmeterschießen zu zwingen. Der Ausfall von Enrique Aguilar wiegt dabei zusätzlich schwer, gerade in einer Offensive, die ohnehin noch nach ihrer besten Besetzung sucht. Trainer Röhl selbst erwartet einen heißen Tanz, betonte aber, man habe die nötigen Werkzeuge, um weiterzukommen. Genau darauf wird es am Donnerstag ankommen: nicht nur auf Werkzeuge, sondern auf deren konsequente Anwendung im entscheidenden Moment vor dem gegnerischen Tor.
Personell dürfte Röhl im Angriff wieder auf Tabakovic setzen, der sich mit seinem Premierentreffer für einen Startelfeinsatz empfohlen hat, auch wenn seine Zweikampfstärke im Zentrum eher für lange Bälle und zweite Bälle taugt als für schnelle Umschaltmomente. Karim Konate bringt die nötige Torgefahr aus dem Rückraum mit, während Kitano und Redzic für Tempo auf den Flügeln sorgen können, um genau jene Räume zu bespielen, die sich bei einem mutig anlaufenden Pafos öffnen sollten. Defensiv wird es entscheidend sein, wie die noch junge Innenverteidigung um Zabransky und Boma mit der Erfahrung von Spielern wie David Luiz umgeht, der trotz seines Alters immer noch ein gefährlicher Passgeber aus der eigenen Hälfte ist. Ein sauberer Spielaufbau gegen das druckvolle Anlaufen der Zyprioten wird mitentscheidend dafür sein, ob Salzburg seine spielerische Überlegenheit auch in Limassol auf den Platz bringt.
Aus taktischer Sicht spricht vieles dafür, dass Röhl auf ein hohes Pressing setzen wird, um Pafos gar nicht erst ins eigene Spiel kommen zu lassen. Die Zyprioten leben von schnellen Kontern über ihre technisch versierten Außenspieler, und genau diese Automatismen gilt es frühzeitig zu unterbinden. Gelingt das, dürfte sich das Spiel ähnlich entwickeln wie das Hinspiel vor der Regenpause: viel Ballbesitz für Salzburg, viele Abschlüsse, und die Hoffnung, dass diesmal nicht erst die 88. Minute für die Entscheidung sorgen muss.
Was auch immer am Donnerstag passiert, eines hat sich in den ersten drei Pflichtspielen bereits gezeigt. Diese Mannschaft hat die Substanz, um Spiele zu dominieren. Ob daraus auch wieder regelmäßig Siege werden, entscheidet sich nicht in der Spielanlage, sondern im letzten Meter vor dem Tor.
Ein Wort noch zur Nordkurve, die auch beim schwierigen Auswärtsspiel in Wolfsberg wieder lautstark hinter der Mannschaft stand und den beiden Vorschreiern folgte, egal wie das Spiel gerade stand. Diese Unterstützung, bedingungslos und laut, ist und bleibt das Fundament, auf dem dieser Klub steht. Danke dafür.


