Es war einer dieser Samstage, an denen man das Gefühl hat, der Fußball zeigt einem sein ehrlichstes, aber leider auch sein schmerzhaftestes Gesicht. Ich habe in den letzten Jahren unzählige Spiele meines FC Red Bull Salzburg gesehen, von der Champions League bis hin zu verregneten Testspielen in der Provinz. Doch gestern stand eine Premiere an, auf die ich mich ehrlich gefreut hatte.
Ich war zum ersten Mal in der Red Bull Fußball Akademie, um unsere Frauen in der Admiral Frauen Bundesliga gegen den SK Sturm Graz zu unterstützen. Also fuhren meine Frau, mein jüngster Sohn und ich in die Akademie. Wir wollten diesen besonderen „Vibe“ spüren, von dem alle reden, wenn es um den aufstrebenden Frauenfußball in Salzburg geht. Was wir jedoch erlebten, lässt mich auch heute noch mit einer Mischung aus Kopfschütteln und tiefer Frustration zurück. Es war ein Nachmittag, der so gar nicht zu dem Hochglanz-Image passen wollte, das wir als Verein sonst so akribisch pflegen.
Kulinarik top, Rahmenbedingungen flop: Der Kontrast in der Akademie
Der Empfang in Liefering war zunächst gewohnt professionell, zumindest was das Optische angeht. Die Anlage ist ein Juwel, das steht außer Frage. Wenn man die Akademie betritt, spürt man diesen Geist des Erfolgs, der hier durch die Gänge weht. Der erste Weg führte uns natürlich zum Buffet. Man muss ja schließlich wissen, ob die Verpflegung hält, was der Ruf verspricht. Und hier muss ich ein dickes Lob aussprechen, denn die Qualität der Leberkäsesemmerl und der Würstl hat mich tatsächlich umgehauen. Da können sich die Kioske in der großen Red Bull Arena in Wals-Siezenheim definitiv eine Scheibe abschneiden. Es schmeckte frisch, hochwertig. Dass es keinen Alkohol gibt und die gesamte Anlage eine Nichtraucherzone ist, mag für den einen oder anderen Fan im ersten Moment ungewohnt sein, aber seien wir ehrlich: Wir sind hier in einer Akademie, in der Jugendliche zu Profis geformt werden. Das ist absolut verständlich und sogar lobenswert. Bis zu diesem Zeitpunkt war meine Welt als Salzburg-Fan noch absolut in Ordnung.
Doch der Glanz der Leberkäsesemmel verflog schneller, als mir lieb war, sobald der Fokus auf das eigentliche Geschehen und die Organisation drumherum rückte. Es sind oft die kleinen Dinge, die auffallen, wenn man den gewohnten Standard der Bundesliga im Kopf hat. Dass keine Balljungen oder Ballmädchen am Spielfeldrand standen, wirkte auf mich fast schon surreal. In der höchsten österreichischen Spielklasse der Frauen müssen die Spielerinnen also selbst schauen, wo der Ball bleibt, oder die Betreuer rennen den Kugeln hinterher? Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, aber es ist das erste Anzeichen für einen fehlenden professionellen Rahmen, den man bei einem Klub wie dem FC Red Bull Salzburg einfach voraussetzt. Es nimmt dem Spiel den Rhythmus und sendet ein Signal aus, das mir nicht gefällt: „Hier wird gespart, wo es nur geht.“
Der Moment des Schocks: Sicherheit als Fremdwort?
Der absolute Tiefpunkt des Nachmittags ereignete sich jedoch, als die Torfrau von Sturm Graz sich bei einem Zusammenstoß verletzte. Es war sofort klar, dass es etwas Ernsteres sein musste. Das Spiel stockte, die Sorge in den Gesichtern der Spielerinnen war greifbar. Und dann geschah das Unfassbare: Nichts. Beziehungsweise nichts von dem, was man in einem professionellen Sportumfeld erwartet. Es waren keine Rettungskräfte vor Ort. Ich saß da und konnte es kaum fassen. In der höchsten Liga Österreichs gibt es bei einem Spiel von Red Bull Salzburg keinen Sanitätsdienst am Spielfeldrand? Es musste erst die Rettung gerufen werden, die dann quälend lange Minuten brauchte, bis sie endlich in Liefering eintraf.
In dieser Zeit herrschte eine beklemmende Stille auf dem Platz. Man stelle sich vor, es wäre eine Kopfverletzung gewesen oder ein Kreislaufstillstand. In solchen Momenten entscheiden Sekunden, keine Minuten, die man auf einen externen Rettungswagen wartet. Das ist in meinen Augen nicht nur fahrlässig, sondern ein absoluter Skandal. Wir reden hier über die Gesundheit von Athletinnen, die für ihren Verein alles geben. Dass hier am falschen Ende gespart wird, ist durch nichts zu rechtfertigen. Es hat mich und viele andere Zuschauer zutiefst schockiert. Wo ist hier die Fürsorgepflicht des Gastgebers? Wenn wir den Anspruch haben, die Nummer eins im Land zu sein, dann muss das auch für die medizinische Sicherheit bei den Frauen gelten. Dieser Vorfall hinterlässt einen extrem faden Beigeschmack und überschattet das sportliche Ergebnis von 0:1 fast vollständig.
Von Respekt und schweren Werbebanden
Wer dachte, dass der Abtransport der verletzten Spielerin der Gipfel der Respektlosigkeit war, wurde nach dem Schlusspfiff eines Besseren belehrt. Ich beobachtete das Treiben auf dem Platz nach dem Spielende und traute meinen Augen kaum. Die Spielerinnen des FC Red Bull Salzburg begannen eigenhändig, die schweren Werbebanden und die Banden des ÖFB vom Feld zu tragen. Ich wiederhole: Die Profi-Spielerinnen der Bundesliga mussten nach 90 Minuten intensivem Kampf ihre eigene Infrastruktur abbauen. Das ist ein Bild, das ich vielleicht in der letzten Klasse der hobbymäßigen Reserve erwartet hätte, aber niemals bei einem Verein, der Millionen in Transfers und Infrastruktur investiert. Die anwesenden Fans waren ebenso schockiert, wie ich in Gesprächen nach Spielende feststellen musste.
Es war ein rührender, aber gleichzeitig beschämender Anblick, als einige junge Leute aus unserer organisierten Fanszene aufs Feld, um den Mädels zu helfen. Diese Fans haben mehr Gespür für Respekt und Anstand bewiesen als die Verantwortlichen, die diesen Ablauf so geplant haben. Wo ist das Personal, das normalerweise für solche Aufgaben zuständig ist? Es vermittelt den Eindruck, dass die Frauenmannschaft in der Hierarchie des Vereins ganz unten steht. Man schmückt sich gerne mit den Erfolgen und dem Image des Frauenfußballs, aber wenn es darum geht, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, lässt man die Spielerinnen im Regen stehen – oder eben die Banden schleppen.

Dieser Nachmittag in der Akademie hat mich nachdenklich gemacht. Wir alle wollen, dass der Frauenfußball wächst und die Anerkennung bekommt, die er verdient. Aber Anerkennung beginnt nicht bei einem Social-Media-Post oder einem hübschen Trikot. Sie beginnt beim Respekt im Alltag. Sie beginnt bei einer Erstversorgung, die diesen Namen verdient, und sie endet bei Arbeitsbedingungen, die den Namen Profisport auch verdienen. Wenn wir als FC Red Bull Salzburg den Frauenfußball ernst nehmen wollen, dann müssen wir schleunigst an diesen Stellschrauben drehen. Die Mädels auf dem Platz geben alles für unsere Farben. Es ist an der Zeit, dass der Verein ihnen denselben Einsatz zurückgibt. Wir Fans werden genau hinschauen, ob sich hier etwas ändert. Denn so wie gestern darf es nicht weitergehen.


