Ein stiller Gruß zum Abschied: In Gedenken an Alexander Manninger

Es gibt Tage, an denen der Fußball seine Bedeutung verliert. Tage, an denen die Ergebnisse vom Wochenende, die Tabellensituation oder die neuesten Transfergerüchte in den Hintergrund rücken, weil eine Nachricht uns alle wie ein Schlag trifft. Heute ist so ein Tag. Die Nachricht vom plötzlichen Tod Alexander Manningers bei einem tragischen Verkehrsunfall lässt die Fußballwelt, besonders aber uns hier in Salzburg, fassungslos zurück. Alex war nicht nur ein ehemaliger Torhüter unseres Vereins, er war ein Botschafter des Salzburger Fußballs in der Welt.

Ich sitze hier vor meinem Bildschirm und versuche, die passenden Worte für einen Mann zu finden, der zeitlebens eher durch Taten als durch laute Sprüche aufgefallen ist. Alex Manninger war ein Profi der alten Schule – bodenständig, akribisch und mit einer Weltkarriere gesegnet, die in ihrer Form für einen österreichischen Torhüter wohl einzigartig bleiben wird. Wenn ich an ihn denke, sehe ich diesen fokussierten Blick vor mir, diese Ruhe, die er ausstrahlte, egal ob er im Highbury für Arsenal oder im Stadio delle Alpi für Juventus zwischen den Pfosten stand.

Der Salzburger Junge, der auszog, um die Welt zu erobern

Seine Geschichte begann hier bei uns. Geboren in Salzburg-Liefering, war es fast vorgezeichnet, dass sein Weg ihn zur damaligen Austria führen würde. Doch wer hätte damals gedacht, dass dieser junge Keeper einmal die großen Bühnen Englands und Italiens betreten würde? Sein Talent war früh erkennbar, doch es war sein unbedingter Wille, der ihn auszeichnete. Nach einer kurzen Station bei Vorwärts Steyr und dem GAK – wo er übrigens schon mit 19 Jahren im Europacup gegen Inter Mailand glänzte – kam der große Sprung, der den österreichischen Fußball für immer verändern sollte.

Es war das Jahr 1997, als Arsène Wenger ihn zum FC Arsenal holte. Wir müssen uns das heute mal vorstellen: Ein junger Österreicher wechselt direkt in die Premier League zu einem der größten Klubs der Welt. Er war der erste Österreicher überhaupt in dieser Liga. Und er war nicht nur dabei, er lieferte. Als Stammtorhüter David Seaman verletzt ausfiel, sprang Alex ein und blieb in sechs aufeinanderfolgenden Spielen ohne Gegentor. Damit legte er den Grundstein für das Double aus Meisterschaft und FA Cup. In Salzburg waren wir damals unglaublich stolz. Man wusste: Da draußen zeigt einer, was unsere Schule wert ist.

Die Rückkehr nach Hause: Ein kurzes, aber prägendes Kapitel in Salzburg

Nach vielen Jahren in Italien, wo er sich einen exzellenten Ruf als zuverlässiger Rückhalt bei Klubs wie Florenz und Siena erarbeitet hatte, schloss sich der Kreis im Sommer 2005. Alex kehrte zurück in seine Heimatstadt zum FC Red Bull Salzburg. Es war eine Zeit des Umbruchs im Verein, und Manninger war eine der zentralen Figuren, die Professionalität und internationale Erfahrung in den Kader brachten.

Ich erinnere mich noch gut an seine Auftritte in der Red Bull Arena. Er strahlte eine enorme Souveränität aus. Für uns Fans war es ein besonderes Gefühl, einen „echten Salzburger“ im Tor zu haben, der schon alles gesehen hatte. Auch wenn seine Zeit bei uns im Vergleich zu seiner Gesamtlaufbahn eher kurz war – er bestritt 16 Ligaspiele, bevor es ihn wieder zurück nach Italien zog –, so war sein Einfluss auf die Professionalisierung des Torwartspiels bei uns spürbar. Er war ein Vorbild für junge Spieler, ein Profi, der keine Extrawürste verlangte, sondern einfach nur seinen Job auf höchstem Niveau erledigen wollte.

Ein Gentleman im Nationalteam und auf internationalem Parkett

Auch im österreichischen Nationalteam hinterließ Alex Manninger bleibende Spuren. In seinen 33 Länderspielen war er oft der Fels in der Brandung in Zeiten, in denen es das ÖFB-Team nicht immer leicht hatte. Sein Debüt 1999 gegen Schweden bleibt unvergessen, ebenso wie seine Rolle bei der Heim-Europameisterschaft 2008. Dass er dort die Nummer zwei hinter Jürgen Macho war, nahm er mit der ihm eigenen Größe und Teamfähigkeit hin. Er hat sich nie über die Medien beschwert oder Unruhe gestiftet. Ihm ging es immer um die Sache, um den Sport.

Nach seiner Zeit in Salzburg zog es ihn erneut nach Italien. Wer kann es ihm verübeln? Das Land und der Fußball dort passten zu seinem Stil. Dass er später noch vier Jahre bei Juventus Turin unter Vertrag stand und dort 2012 die italienische Meisterschaft feierte, war die verdiente Krönung einer beeindruckenden Laufbahn. Dass er schließlich mit fast 40 Jahren noch zum FC Liverpool unter Jürgen Klopp wechselte, zeigt, welchen Stellenwert er in der Fußballwelt genoss. Solche Klubs verpflichten einen nicht ohne Grund – sie verpflichten die Qualität und den Charakter eines Alexander Manninger.

Das Vermächtnis einer Legende

Abseits des Platzes war Alex ein Mensch, der nach seiner aktiven Karriere den Weg zurück zur Basis suchte. Er arbeitete als Tischler, kehrte zu seinen Wurzeln zurück und mied das Rampenlicht, das viele andere in seiner Position gesucht hätten. Das machte ihn in meinen Augen noch sympathischer. Er war authentisch. Wenn man ihn in Salzburg traf, war er immer für ein kurzes Gespräch offen, bodenständig geblieben trotz all der Millionen und der großen Namen, mit denen er zusammengespielt hatte.

Sein Tod reißt eine Lücke, die nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich schmerzt. Wir verlieren einen der größten Sportler, die diese Stadt je hervorgebracht hat. Aber was bleibt, sind die Erinnerungen. Die Erinnerungen an einen jungen Mann, der in London Geschichte schrieb. An einen Profi, der in Turin Respekt genoss. Und an einen Salzburger, der immer einer von uns blieb.

Mein tiefstes Mitgefühl gilt in diesen Stunden seiner Familie und seinen Freunden. Der FC Red Bull Salzburg und die gesamte Fußballfamilie werden dich nie vergessen, Alex. Ruhe in Frieden.

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Alex Januschewsky

Ich bin Herausgeber von S12 und schreibe leidenschaftlich gerne über Fußball. Dabei geht es mir nicht um Schönfärberei, sondern um konstruktive und auch kritische Analysen. Die Mannschaft der Salzburger steht für mich im Mittelpunkt, weil mir ihr Weg und ihre Entwicklung am Herzen liegen.

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