Das 0:4 gegen Milan war zu verkraften. Der Abend auf den Stiegen nicht.

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Ich bin gestern aus der Red Bull Arena gegangen und hab mich kaum über das 0:4 geärgert. Gegen den AC Milan darf man verlieren, auch so deutlich. Geärgert hab ich mich über alles, was abseits des Rasens passiert ist: über Kioske, an den überhaupt nichts weiterging, und über Stiegen auf der Nord, auf denen es kein Durchkommen mehr gab. Die Niederlage ist in ein paar Tagen abgehakt. Die Abläufe im Stadion nicht, weil sie beim nächsten Heimspiel wieder auf uns warten. Ich schreib hier auf, was ich gestern erlebt hab, wer dafür die Verantwortung trägt, und warum ausgerechnet die Fans am Ostparkplatz zeigen, wie es gscheit geht. Zuerst aber zur Partie, weil die eine ehrliche Einordnung verdient.

Warum war Milan eine Nummer zu groß?

Der FC Salzburg hat gestern in der Europa League gegen den AC Milan mit 0:4 verloren. Es war die erste Niederlage im 16. Pflichtspiel dieser Saison. Fünfzehn Partien ohne Niederlage unter Trainer Danny Röhl, und dann kommt ein Serie-A-Klub, der mit einer stark rotierten Mannschaft anreist und trotzdem 90 Minuten lang das Tempo bestimmt.

Der Mann des Abends hieß Alphadjo Cissè. Der 19-jährige Italiener köpfelte nach einer Viertelstunde eine Flanke von Omari Hutchinson zum 0:1 ein, legte in der 32. Minute nach und machte in der 49. Minute mit seinem dritten Treffer alles klar. Ein Triplepack in Wals-Siezenheim. Der eingewechselte Gonçalo Ramos setzte in der 72. Minute den Schlusspunkt, nachdem Ardon Jashari dem Salzburger Bartosz Mazurek im Spielaufbau den Ball abgenommen hatte.

Und Salzburg? Zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten. Das ist die Zahl, die mir mehr zu denken gibt als das Ergebnis. Der Jubel in der 23. Minute, als Haris Tabakovic eine Hereingabe von Leandro Morgalla über die Linie drückte, hielt nur Sekunden: Der Ball war vorher im Aus. Die beste echte Chance hatte Edmund Baidoo in der 53. Minute, Mike Maignan war vor seinem Strafraum schneller. Danach kamen Yorbe Vertessen und Gaoussou Diakité, der Druck wurde etwas größer, gefährlich wurde es kaum. Dass Filippo Terracciano in der 83. Minute nach einem Foul an Dominik Schmid Rot sah, war für die Statistik ein Detail.

Ich wollte das erst härter formulieren, aber die Gegenrede gehört dazu. Fünfzehn Spiele ungeschlagen sind kein Zufall, und ein Abend gegen einen der größten Namen Europas ändert daran wenig. Milan war in jeder Phase handlungsschneller, im Zweikampf robuster und im Abschluss eiskalt. Das ist Klassenunterschied, kein Systemversagen. Schauen wir mal, wie die Mannschaft am Wochenende reagiert. Wenn sie es tut wie in den vergangenen Wochen, ist dieses 0:4 bald eine Fußnote.

Das 0:4 gegen Milan halte ich für einen Klassenunterschied an einem einzelnen Abend, nicht für eine Krise. Was mich wirklich ärgert, ist der Rahmen: Seit Saisonbeginn funktioniert die Versorgung der Zuschauer in der Red Bull Arena nicht, und gestern hat auf der Nord zusätzlich die Ordnung auf den Stiegen versagt.

Wie lange darf sich ein Caterer eingewöhnen?

Seit 1. Juli betreibt foodaffairs, eine Catering-Linie von Eurest Österreich, sämtliche 39 öffentlichen Kioske in der Red Bull Arena. Bei der Präsentation im Mai hat Geschäftsführer Georg Hirsch-Stronstorff den Fans unter anderem „schnelleren Service“ versprochen. Stephan Reiter, CEO des FC Red Bull Salzburg, sprach damals davon, dass das Feedback der Fans ein wichtiger Impuls für den Wechsel gewesen sei.

Das Feedback gibt es jetzt wieder. Nur anders, als sich das beide Seiten vorgestellt haben.

Am Anfang der Saison hieß es in der Kurve noch: Die müssen sich halt eingewöhnen. Neues Personal, neue Abläufe, neue Kassensysteme, das versteh ich. Nur ist diese Schonfrist mittlerweile vorbei. Es ist Mitte Oktober, die Mannschaft hat zu Hause schon einige Partien hinter sich, und am Kiosk läuft es nicht besser, sondern gestern so schlecht wie nie.

Was das konkret heißt: Ich hab gestern ein Tor verpasst und das nächste nur ganz knapp nicht, weil an meinem Kiosk schlicht nichts weiterging. Die Schlange bewegte sich minutenlang keinen Meter. Rund um mich wurden die Leute immer ungehaltener, und das waren keine Hitzköpfe, sondern ganz normale Stadionbesucher, die ein Bier und eine Wurst wollten. In den Gesprächen danach war schnell klar, dass das kein Problem der Nord allein war. Aus anderen Sektoren kamen dieselben Geschichten.

Die Lage war offenbar so deutlich, dass der Verein noch am Abend reagiert hat. Im Statement zur Kiosk-Situation räumt der FC Red Bull Salzburg ein, dass die Abläufe an den Kiosken beim Heimspiel nicht den Ansprüchen entsprochen haben. Das rechne ich dem Klub an. Schnell, ohne Ausreden, öffentlich. So soll das sein.

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Und jetzt wird es unangenehm, aber nicht für den Verein. Die Qualität von foodaffairs ist nämlich gar nicht das Problem. Das Bier ist frisch. Wenn man eines bekommt. Der weiße Spritzer ist kühl und prickelnd. Wenn er nicht gerade aus ist. Die Würstel schmecken. Und man bekommt sie sogar mit dem richtigen Senf, wenn man der jungen Mitarbeiterin hinter der Theke vorher erklärt, dass süßer Senf und Estragonsenf nicht dasselbe sind.

Die Mitarbeiterin kann dafür am wenigsten. Wer Leute ohne Einschulung hinter eine Stadiontheke stellt, an der in der Halbzeitpause Hunderte gleichzeitig bedient werden wollen, hat ein Planungsproblem, kein Personalproblem. Zu wenig Personal, zu wenig Vorrat bei den gängigen Getränken, Abläufe, die erkennbar nicht auf ein volles Haus ausgelegt sind: Das sind Entscheidungen, die im Büro eines Caterers fallen, nicht am Kiosk. Ein Unternehmen, das sich mit Erfahrung aus dem Allianz Stadion und der Steffl Arena beworben hat, muss wissen, was an einem internationalen Fußballabend auf es zukommt.

Wo war gestern der Fluchtweg auf der Nord?

Der zweite Punkt wiegt für mich schwerer als ein verpasstes Tor. Auf der Nord gab es gestern keinen freien Fluchtweg. Alle Auf- und Abgänge waren mit Menschen vollgestanden, so dicht, dass ich nach der Warterei am Kiosk fast mit Gewalt wieder auf meinen Platz zurückmusste. Ich übertreib da nicht. Ich hab mich mit Ellbogen durch Leute schieben müssen, die selbst nicht wussten, wohin.

Ich hab dann einen Ordner darauf angesprochen. Seine Antwort war ein Schulterzucken.

Das ist der Punkt, an dem mir der Humor ausgeht. Freie Stiegen sind auf einer vollen Tribüne eine Frage der Sicherheit. Wenn auf einer vollen Tribüne etwas passiert, eine Panik, ein medizinischer Notfall, ein Pyro-Zwischenfall, dann sind diese Wege das Einzige, was zwischen einem Schreck und einer Katastrophe steht. Genau dafür steht ein Ordnungsdienst im Stadion: nicht um Tickets zu scannen und dann zuzuschauen, sondern um diese Wege freizuhalten. Und wenn er das allein nicht schafft, dann holt er Verstärkung. Schulterzucken ist keine Option.

Die Kritik richtet sich gegen die Firma, die mit dem Ordnungsdienst beauftragt ist, und gegen die Einsatzplanung, die gestern offensichtlich zu dünn war. Der einzelne Ordner auf den Stufen ist oft schlecht bezahlt, schlecht eingewiesen und allein auf weiter Flur. Das entschuldigt das Schulterzucken nicht, aber es erklärt es. Verantwortlich ist, wer ihn so hingestellt hat.

Ich geh seit Jahrzehnten in dieses Stadion. Es war schon einmal professioneller. Am Feld, bei den Ordnern und am Kiosk. Das Feld lass ich gestern gelten, gegen Milan. Die anderen beiden nicht.

Was die Fans am Ostparkplatz besser können

Dabei hat der Abend gut angefangen. Vor dem Spiel war ich bei der Parkplatzparty am Ostparkplatz, und dort hab ich gesehen, wie es geht. Fans stellen ihre Stände auf, grillen, schenken aus, organisieren alles selbst. Unentgeltlich, gegen eine freiwillige Spende. Ich bin mir ziemlich sicher, dass manche von ihnen am Ende des Abends draufzahlen. Sie machen es trotzdem, nicht zum ersten Mal, mit einer Leidenschaft, die man nicht kaufen kann.

Die Leute wie Ilona, Toni, Manuela, Yvonne und wie sie nicht alle heißen wissen, was sie leisten können, und sie leisten es. Niemand verspricht dort schnelleren Service oder eine neue Stufe der Stadionkulinarik. Es wird einfach gemacht. Wer dort ansteht, bekommt sein Bier, und meistens noch einen Schmäh dazu.

Genau diese Leidenschaft fehlt manchen in ihrem bezahlten Job im Stadion. Das ist kein Vorwurf an jede einzelne Person am Kiosk oder auf den Stufen, sondern an die Firmen, die ihnen weder die Mittel noch die Einschulung geben, um ihren Job gscheit zu machen.

Und eh klar, wer die Parkplatzparty trägt: Das sind dieselben Menschen, die danach in der Nordkurve stehen und die Mannschaft auch bei einem 0:4 nicht im Stich lassen. Die Nordkurve trägt diesen Verein seit Jahren durch Abende wie den gestrigen. Sie hat sich verdient, dass sie auf ihrer eigenen Tribüne wieder auf ihren Platz kommt, ohne sich durchkämpfen zu müssen, und dass sie in der Halbzeit ein Bier bekommt, ohne die zweite Hälfte zu versäumen.

Mein Wunsch an foodaffairs und an die Ordnerfirma ist simpel: Schaut euch beim nächsten Heimspiel gegen Altach an, wie es am Ostparkplatz läuft. Dort lernt man in einer Stunde mehr über Fanversorgung als in jeder Präsentation. Und mein Wunsch an den Verein: Bleibt mit eurem Statement nicht stehen. Ihr habt die Partner ausgesucht, ihr habt die Hebel, sie in die Pflicht zu nehmen. Wir Fans werden genau hinschauen, ob sich bis zum nächsten Heimspiel etwas ändert.

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Porträt von Alex Januschewsky, Herausgeber von S12.at
Über den Autor
Alex Januschewsky
Herausgeber und Autor von S12.at
Ich mache S12.at allein. Kein Redaktionsteam, kein Vereinsfilter, keine Rücksicht auf gute Stimmung. Was du hier liest, kommt aus Spielen, die ich gesehen habe, und aus Entwicklungen, die ich über Jahre mitverfolgt habe. Schönfärberei findest du woanders. Mir geht es um Analysen, die auch dann noch halten, wenn sie unbequem sind. Der Weg der Salzburger Mannschaft steht dabei im Mittelpunkt, weil mir ihre Entwicklung näher geht als jede Tabellenzeile.
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