Wer heute früh auf die Tabelle schaut, sieht Salzburg mit 17 Punkten auf Platz zwei, einen Zähler hinter Rapid, bei 18:4 Toren. Diese Bilanz geht mir nicht aus dem Kopf, wenn ich die Verletztenliste vor der Auswärtspartie beim GAK lese. Von den vier Ausfällen schmerzt am Samstag einer wirklich. Im Tor bleibt eine Frage offen, die der Gegner allerdings entschärft. Ich rechne durch, wo Trainer Danny Röhl umbauen muss, wo er einfach nachrücken lassen kann und warum ich beim Tormann gelassen bleibe.
Wer fehlt, und wen spürt man wirklich?
Nikolas Veratschnig hat sich bei seinem Debüt im österreichischen A-Nationalteam gegen den Kosovo nach einem Foul eine Bänderverletzung im rechten Knie zugezogen. Der 23-Jährige fällt mehrere Wochen aus. Damir Redzic erwischte es im Nations-League-Spiel Ungarns gegen die Ukraine, Bänderverletzung im rechten Knöchel, ebenfalls mehrere Wochen. Justin Omoregie wurde nach einer schweren Knöchelverletzung im Testspiel von Liefering gegen die WSG Tirol bereits operiert, für ihn ist die Herbstmeisterschaft vorbei. Der junge Schweizer Enrique Aguilar kam mit einer Oberschenkelblessur von einem U20-Länderspiel gegen Tschechien zurück, weitere Untersuchungen folgen.
Salzburg hat in sieben Ligaspielen 18 Tore erzielt und vier kassiert. Dieses Fundament trägt auch ohne vier Spieler. Den einzigen echten Verlust sehe ich in Veratschnig, weil er alle sieben Ligapartien bestritten und zwei Tore erzielt hat.
Bei den anderen drei fällt die Rechnung kleiner aus. Aguilar kommt auf zwei Ligaeinsätze, Omoregie taucht in der Einsatzliste der Liga gar nicht auf, und Redzic hat in sechs Einsätzen noch nicht getroffen. Ich wollte erst schreiben, die Ausfälle seien verkraftbar. Das Wort ist zu glatt: Redzic und Veratschnig fehlen für mehrere Ligaspiele, das merkt auch ein starker Kader.
Wie gleicht Röhl das aus?
Ich weiß nicht, wie Röhl aufstellt, und ich tue nicht so. Ich kann nur sagen, was die Zahlen hergeben. Die Statistik führt Veratschnig als Verteidiger, gleichzeitig hat er sieben Schüsse aufs Tor und vier große Chancen, so viele wie sonst nur Sota Kitano. Welche Rolle er im System genau hat, bin ich mir nicht sicher. Mein Eindruck aus den Zahlen ist aber klar: Wer ihn ersetzt, muss Läufe in den Strafraum liefern und darf nicht bloß eine Position besetzen.
Vorne hat Röhl Auswahl. Karim Konaté hat vier Tore, Haris Tabakovic drei, Yorbe Vertessen zwei, dazu kommen Edmund Baidoo und Camara mit je einem. Redzics Platz lässt sich dadurch gscheit füllen.
Röhl ist 37, kam im Sommer von den Glasgow Rangers und unterschrieb für drei Jahre. Die erste Verletztenwelle seiner Amtszeit ist das nicht: Schon im August musste er vor dem Pafos-Rückspiel auf mehrere Spieler verzichten und sagte sinngemäß, man wolle nicht jammern. Ob er das diesmal wieder so hält, wird sich in den Aussagen vor dem Spiel zeigen.
Dagegen spricht die Dichte. Fallen vier Spieler gleichzeitig aus und ist der Tormann angeschlagen, wird die Bank dünn, und Röhl hat bei Wechseln weniger Spielraum als sonst. Das ernst zu nehmen verändert meine Einschätzung für den Oktober. Für Samstag bleibe ich dabei.
Mein Rat an Röhl lautet deshalb: nichts Neues erfinden. Eine Mannschaft, die in sieben Partien vier Gegentore bekommen hat und zuletzt Sturm Graz 3:0 schlug, dreht man wegen einer Ausfallmeldung nicht auf links. Ersetzen, wie gelernt, und die Struktur lassen. Wer jetzt das System umbaut, riskiert mehr, als er gewinnt.
Der Tormann und der Gegner
Christian Zawieschitzky, 19, stand in allen sieben Ligaspielen von Beginn an im Tor. Er reiste mit einer Adduktorenverletzung vorzeitig von der österreichischen U21 ab. Laut Berichten ist er am Montag mit individuellen Einheiten und ganz leichten Übungen ins Training zurückgekehrt, ein Einsatz am Samstag gilt als möglich. Die Salzburger wollen kein unnötiges Risiko eingehen. Fällt er aus, könnte Christian Früchtl in der Liga zu seinem ersten Einsatz im Salzburger Dress kommen. Der 26-Jährige kam im August vom italienischen Klub US Lecce und unterschrieb für drei Jahre. Die Bundesliga kennt er: Von 2022 bis 2024 hat er für die Wiener Austria gespielt, ein Neuling im Land ist er also nicht.

Und jetzt der Gegner: Der GAK steht auf Platz acht, mit 8 Punkten, 6:16 Toren und einer Tordifferenz von minus zehn. Fünf Mannschaften haben je acht Punkte, der GAK hat davon die schwächste Tordifferenz. Er hat in vier von sieben Spielen nicht getroffen, darunter ein 0:8 bei Rapid. Ganz ungefährlich ist der Gegner trotzdem nicht: Zuletzt gewann der GAK 2:1 in Altach und spielte 2:2 gegen die Austria. Ein Tormann, der noch keine Ligapartie in Salzburger Farben hatte, bekommt also eine Offensive, die in sieben Spielen sechs Tore erzielt hat. Das beruhigt mich mehr, als jede Fitnessmeldung es könnte.

Ein Sieg brächte Salzburg auf 20 Punkte, Rapid steht aktuell bei 18. Im Februar kam Salzburg beim GAK als Tabellenführer nicht über ein 1:1 hinaus, und Karim Konaté scheiterte in der 16. Minute am GAK-Tormann Franz Stolz. Das ist der Prüfstein am Samstag: Ohne Veratschnig muss die Chancenverwertung stimmen, sonst bleibt die Partie zu lange offen.
Die Kurve trägt auch die Ersatzleute
Ich rechne damit, dass nach dem Abpfiff wieder die Debatte um Kaderbreite losgeht, egal wie es ausgeht. Verständlich, aber sie kommt zu früh. Wer in dieser Woche fährt, fährt zu einer Aufstellung, die niemand kennt.
Genau dafür gehört der Nordkurve mein Dank. Die Vorschreier haben in Partien wie dieser die schwierigste Aufgabe, weil sie eine Mannschaft tragen, deren Elf erst kurz vor dem Anpfiff feststeht. Wenn ein junger Ersatzmann seinen ersten Fehlpass macht, braucht er Stimmen im Rücken und keinen Pfiff. Wer nach Graz fährt, obwohl die Elf noch nicht feststeht, macht aus einem Pflichttermin eine Heimpartie auf fremdem Boden.


