Donnerstag, 17. September, 18.45 Uhr, Georgi-Asparuhov-Stadion in Sofia. Dort steigt für den FC Salzburg der Auftakt in die Ligaphase der Europa League, gegen Lewski Sofia, den bulgarischen Traditionsverein. Ich sitz seit der Auslosung am vergangenen Freitag über dem Spielplan und merk, wie selten sich das in den letzten Jahren so angefühlt hat: Diese Ziehung riecht nach einer echten Chance, nicht nach einer Pflichtübung zwischen zwei Bundesliga-Runden.
Meine These: Mit vier machbaren und vier richtig schweren Losen haben Trainer Danny Röhl und sein Team ein Tableau bekommen, das die K.-o.-Phase realistisch macht, wenn die individuelle Qualität in den entscheidenden Momenten abgerufen wird. Nach diesem Text kennst du alle acht Gegner, weißt, wann welches Spiel steigt, und findest auf s12.at ab sofort ein neues Werkzeug, mit dem du selbst mitfiebern kannst. Der Reihe nach, denn die Auslosung selbst war schon eine Geschichte für sich.
Dass Salzburg überhaupt in Topf zwei gelost wurde, ist Ergebnis von zwei Qualifikationsrunden, die man leicht vergisst, sobald die großen Namen der Ligaphase im Kalender stehen. Erst setzte sich die Mannschaft gegen Pafos FC durch, 1:0 daheim, 3:3 auswärts auf Zypern, danach gegen Mjällby AIF aus Schweden, 1:0 auswärts und 3:0 im Rückspiel in der Red Bull Arena. Zwei Duelle, die zeigen, dass diese Truppe im Frühsommer schon Europacup-Härte gezeigt hat, bevor überhaupt ein einziges Punktspiel der Ligaphase angepfiffen wurde.
Ich halte dieses Tableau für das beste, das Salzburg seit der Umstellung auf die neue Ligaphase bekommen hat. Nicht weil es leicht wird, sondern weil vier der acht Gegner schlagbar sind und die Heimspiele gegen AC Milan und Crystal Palace planbare Highlights sind, keine automatischen Niederlagen.
Der Fahrplan: von Sofia bis zur BayArena
Der Terminkalender steht seit der Auslosung fest, offiziell bestätigt über den Spielplan auf redbullsalzburg.at. Acht Runden zwischen 17. September und 28. Jänner, im Wechsel zwischen Donnerstagabend um 18.45 Uhr und um 21 Uhr, je nachdem wie stark der Gegner europäisch unterwegs ist. Auffällig, und das erklär ich dir gleich, weil es beim ersten Lesen der Kaderliste irritiert: International tritt die Mannschaft nicht als FC Red Bull Salzburg an, sondern als FC Salzburg. Die UEFA lässt in ihren Bewerben keine Namenssponsoren im Vereinsnamen zu, das war schon in den Vorjahren so.
Hier das komplette Tableau, damit du es dir eintragen kannst:
- Runde, 17.09.2026, 18.45 Uhr: Lewski Sofia vs. FC Salzburg, Georgi-Asparuhov-Stadion, Sofia
- Runde, 15.10.2026, 18.45 Uhr: FC Salzburg vs. AC Milan, Red Bull Arena
- Runde, 22.10.2026, 21.00 Uhr: NK Celje vs. FC Salzburg, Stadion Z’dežele
- Runde, 05.11.2026, 18.45 Uhr: RSC Anderlecht vs. FC Salzburg, Lotto Park, Brüssel
- Runde, 26.11.2026, 18.45 Uhr: FC Salzburg vs. Ararat-Armenia, Red Bull Arena
- Runde, 10.12.2026, 21.00 Uhr: FC Salzburg vs. Sparta Prag, Red Bull Arena
- Runde, 21.01.2027, 21.00 Uhr: Bayer 04 Leverkusen vs. FC Salzburg, BayArena, Leverkusen
- Runde, 28.01.2027, 21.00 Uhr: FC Salzburg vs. Crystal Palace, Red Bull Arena
Vier Heimspiele, vier Auswärtsfahrten, ein Terminplan, der von der bulgarischen Hauptstadt bis ins Rheinland reicht.
Die vier Schwergewichte
AC Milan empfängt Salzburg am 15. Oktober in der Red Bull Arena. Der italienische Rekordmeister ist die prominenteste Nennung im ganzen Tableau, siebenfacher Europacupsieger, aktuell wieder in der Champions-League-Qualifikationszone der Serie A unterwegs. Für Salzburg ist es das erste Ligaphasen-Heimspiel gegen einen Klub dieser Kategorie seit Jahren, und für mich das Spiel, bei dem ich mir schon jetzt den Kalender freihalte, allein wegen der Stimmung, die so ein Name im Stadion auslöst.
Bayer 04 Leverkusen ist das schwierigste Auswärtslos. Am 21. Jänner geht es in die BayArena, zum deutschen Bundesligisten, der in den letzten Jahren konstant Champions-League-Niveau gespielt hat. Eine englische Woche im Jänner, bei der Kälte und Anreise zusammenkommen, das wird läuferisch das anstrengendste Spiel der Ligaphase. Ob und wie sich diese Auswärtsfahrt für die Kurve organisieren lässt, ist zu diesem Zeitpunkt noch offen.
Crystal Palace kommt am 28. Jänner zum Abschluss der Ligaphase in die Red Bull Arena. Der englische Klub hat sich zuletzt im europäischen Cupgeschäft etabliert, unter anderem mit Trainer Oliver Glasner, der bei Salzburg-Fans noch aus seiner Zeit im österreichischen Fußball ein Begriff ist. Ein Duell, bei dem ich mir eine gscheite Kulisse wünsche, weil das Restprogramm im Jänner erfahrungsgemäß eher leise Ränge produziert, gerade wenn die K.-o.-Chancen zu diesem Zeitpunkt schon feststehen sollten.
Sparta Prag rundet das Quartett ab, am 10. Dezember daheim. Der tschechische Traditionsklub gehört zu den sogenannten offenen Begegnungen der Auslosung, weder Absteiger noch Übermannschaft, aber ein Gegner mit europäischer Erfahrung und einer Fanszene, die auswärts nicht viel anbrennen lässt. Genau solche Spiele sind es erfahrungsgemäß, an denen Ligaphasen kippen, weil die Konzentration nach zwei Kracherspielen gegen Milan und vor der Winterpause leicht nachlässt.
Die vier Lose zum Zugreifen
RSC Anderlecht wartet am 5. November im Lotto Park in Brüssel. Der belgische Rekordmeister ist das zweite offene Los der Auslosung, eine Mannschaft im Umbruch, die in der eigenen Liga seit Jahren nicht mehr an die alte Dominanz anschließen konnte. Machbar, aber sicher kein Selbstläufer, denn gerade Klubs im Umbruch entwickeln in solchen Bewerben oft eine Trotzigkeit, die auf dem Papier nicht abzulesen ist.
NK Celje aus Slowenien empfängt Salzburg am 22. Oktober, Anstoß erst um 21 Uhr. Der slowenische Meister der Vorsaison ist europäisch eine unbekannte Größe für die meisten, aber genau deshalb ein Spiel, bei dem Unterschätzen teuer werden kann. Für alle, die noch ein neues Auswärtsziel in der Sammlung suchen, dürfte das Stadion Z’dežele in Celje interessant werden, sobald feststeht, ob dafür eine organisierte Reise angeboten wird.
Ararat-Armenia kommt am 26. November in die Red Bull Arena, als amtierender armenischer Meister. Der 2017 gegründete Klub aus Jerewan ist internationales Neuland für die meisten Fans, spielt seine Europacup-Auftritte aber inzwischen mit einer gewissen Routine, seit 2019 mehrfach in Gruppen- und Ligaphasen dabei. Ein Heimspiel, bei dem ich mir vor allem wünsche, dass es keine übermütige Pflichtübung wird, wie sie gegen vermeintlich kleinere Gegner schon öfter danebengegangen ist.
Lewski Sofia eröffnet die Ligaphase am 17. September, wie eingangs erwähnt. Der bulgarische Traditionsverein aus der Hauptstadt ist das erste echte Prüfsteinspiel der Saison, ein Auswärtsspiel unter der Woche in einer Stadt, die für die meisten Auswärtsfahrer komplettes Neuland ist. Genau deshalb find ich diesen Auftakt spannend: kein eingespieltes Reiseziel, keine Routine, sondern echte Entdeckung, sportlich wie logistisch.
Zwischen Vorfreude und Terminstress: die Stimmung in der Kurve
Ich bin seit 1974 Fan dieses Vereins, und ich hab selten erlebt, dass eine Auslosung so viel Gesprächsstoff produziert wie diese. Zu den einzelnen Auswärtsfahrten halt ich mich an dieser Stelle bewusst zurück. Ob der Verein selbst wieder Fanbusse und Charterflüge organisiert oder ob SOIZBURG FANS ON TOUR für die eine oder andere Reise ein eigenes Programm aufstellt, ist im September noch offen. Sobald dazu etwas Konkretes feststeht, greif ich das im Matchcenter und in eigenen Artikeln auf, jetzt wäre jede Spekulation verfrüht.
Was mich an der Diskussion in der Fanszene mehr beschäftigt als die Logistik, ist die Terminverdichtung. Acht Europa-League-Runden zwischen September und Jänner, dazu Bundesliga, dazu der ÖFB-Cup, das ist ein Programm, das die Kaderbreite ernsthaft testet. Ich wollte das eigentlich optimistischer formulieren, aber wenn ich mir die englischen Wochen im Kalender anschau, wird mir schon jetzt mulmig, wie viele Spieler im Jänner an der Belastungsgrenze laufen werden. Das ist keine Kritik an der Kaderplanung im Voraus, aber es ist der Punkt, an dem ich die Euphorie der ersten Tage nach der Auslosung etwas bremsen will.
Trotzdem, und das überwiegt: Ein Heimspiel gegen AC Milan im Oktober ist etwas, das man in der Red Bull Arena selten erlebt. Ich erwarte eine bessere Auslastung als bei den letzten Ligaphasenspielen gegen weniger bekannte Namen, und genau das braucht dieser Verein europäisch auch, volle Ränge statt der Operetten-Kulisse, die ich an manchen Abenden zuletzt beklagt hab. Schauen wir mal, ob sich das auch bei Celje und Ararat-Armenia bestätigt, wo die Anziehungskraft des Gegnernamens fehlt und die eigene Kurve das Stadion tragen muss.
Neu auf s12.at: das Europa-League-Matchcenter
Für alle acht Runden hab ich ein eigenes Matchcenter gebaut, das ab sofort auf der Startseite von s12.at zu finden ist. Dort stehen alle Termine, Anstoßzeiten und Austragungsorte auf einen Blick, dazu die Gruppentabelle, die sich sobald der erste Spieltag gespielt ist, automatisch mitaktualisiert. Kein Rumscrollen durch acht einzelne Artikel, sondern eine Übersicht, die während der ganzen Saison aktuell bleibt.
Ich pfleg das Matchcenter selbst, Spiel für Spiel, und ergänz es um kurze Einordnungen, sobald ein Ergebnis feststeht. Wer die Ligaphase über die Startseite verfolgen will, findet dort ab dem 17. September alles, was er braucht, ohne durch fremde Portale klicken zu müssen.
Gebaut hab ich das Ganze im Vibe Coding mit Claude. Wen interessiert, wie so etwas technisch entsteht, der findet mehr dazu auf vibecraft.rocks.
Was jetzt zählt
Acht Spiele, vier machbare, vier schwere, und ein Terminplan, der bis Ende Jänner keine Verschnaufpause lässt. Ich hab mir das Tableau dreimal angeschaut, und meine Einschätzung bleibt: Wenn Salzburg die vier machbaren Lose konsequent gewinnt und in mindestens zwei der vier Schwergewichte-Spiele punktet, ist die K.-o.-Phase drinnen. Das ist keine Utopie, das ist eine realistische Rechnung.
Was ich der Nordkurve für diese Saison wünsch, ist genau das, was sie in den letzten Jahren immer wieder geliefert hat: volle Blöcke bei den kleinen Losen, nicht nur bei Milan und Leverkusen. Die Vorschreier haben in der Vorsaison schon bei nüchternen Bundesliga-Abenden für Stimmung gesorgt, wenn sie das auch bei Celje und Ararat-Armenia schaffen, dann hat dieser Verein europäisch eine Heimstärke, die kein Gegner gern sieht. Am 17. September in Sofia geht es los. Ich bin dabei, zumindest vorm Fernseher, und ich freu mich drauf wie schon lang nicht mehr.


