Die österreichische Bundesliga und ihr eigenartiger Stillstand

Wenn ich mir die aktuelle Saison der österreichischen Bundesliga ansehe, dann erinnert mich das Ganze weniger an einen mitreißenden Wettkampf als an ein Dauergeräusch im Hintergrund. Man bekommt alles mit, aber nur wenig bleibt hängen. Manche nennen es Spannung, weil die Tabelle eng ist. Für mich ist es eher ein Zeichen dafür, dass kaum eine Mannschaft konstant genug spielt, um echte Akzente zu setzen. Die Liga wirkt müde und gleichförmig, und sie verlangt dem Zuschauer einiges an Geduld ab.

Salzburg führt, aber ohne Überzeugung und ohne erkennbare Idee

Beginnen muss ich bei Salzburg, weil es für mein Blog die logische Startstelle ist. Tabellenführer klingt schön, der Eindruck auf dem Platz ist aber ein völlig anderer. Salzburg wirkt spielerisch fahrig, im Pressing inkonsequent und in Ballbesitz oftmals ohne klare Struktur. Die Spielweise wirkt konfus. Viele Aktionen basieren mehr auf individuellen Fähigkeiten als auf eingeübten Abläufen. Die Mannschaft verliert zu häufig die Kompaktheit, der Rhythmus bricht ständig, und die Entscheidungsfindung dauert zu lange. Für ein Team, das über Jahre hinweg seine Gegner mit Tempo, Klarheit und Struktur dominiert hat, ist das ein ernüchternder Wandel.

Für mich liegt der Kern des Problems bei der fehlenden Linie des Trainers. Das Spiel wirkt nicht geführt, nicht geordnet, nicht von einer Idee getragen, die über einzelne Momente hinausgeht. Wenn eine Mannschaft dieser Qualität derart unpräzise agiert, dann ist das nicht nur ein Formthema, sondern ein strukturelles Versäumnis. Zu wenig Wiedererkennbarkeit, zu wenig Variabilität, zu wenig Zugriff. Dass die WSG Tirol, Altach und Sturm Salzburg Punkte abnehmen, wäre nicht dramatisch, wenn das Fundament stimmen würde. Doch gerade dieses Fundament bröckelt.

Der wirklich tragische Punkt ist aber ein anderer. Dieser konfuse Stil interessiert immer weniger Menschen. Die Tabellenführung überdeckt nicht, dass die Zuschauerzahlen stagnieren und die emotionale Bindung an die Mannschaft brüchiger wird. Salzburg war über Jahre modern, frischer, schneller, mutiger als der Rest. Jetzt wirken sie wie ein Klub, der sich in einem Übergang verliert, ohne klare Richtung und ohne Zugkraft. Das ist weit gefährlicher als jeder verpasste Sieg.

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Salzburg liegt auf dem tragischen Platz 2 der Rückgänge bei den Zuschauerzahlen. Nur beim WAC sind es aktuell mehr.

Aus diesem Grund muss im Winter dringend etwas passieren. Salzburg braucht einen gestandenen Sportdirektor mit internationaler Vernetzung, der Struktur, Orientierung und klare Linien vorgibt. Die Ära der internen Übergangslösungen hat viel Talent hervorgebracht, aber eben auch eine gewisse Planlosigkeit entstehen lassen. Es braucht zudem punktuelle Verstärkungen im Kader. Nicht weitere Talente, sondern Routiniers, die Stabilität, Führungsstärke und Ruhe hineinbringen. Junge Spieler können enorme Energie entwickeln, aber sie brauchen Orientierungspunkte. Im Moment wirkt die Mannschaft oft wie ein talentierter Haufen, der ohne Fixsterne auskommen muss.

Und ja, ein Trainerwechsel könnte hier den gleichen Effekt haben wie beim LASK. Ein neuer Impuls, ein klares Konzept, eine strengere Linie. Kühbauer hat in Linz gezeigt, wie schnell ein Team mit klarer Ausrichtung Stabilität findet. Salzburg könnte von einer ähnlichen Entscheidung profitieren. Der jetzige Zustand ist jedenfalls keiner, der von selbst besser wird.

Kühbauer hat den Druck weggenommen.

LASK-Offensivspieler Kasper Jörgensen

Sturm Graz. Ambition trifft auf Bremsklotz

Auch Sturm wirkt heuer ungewöhnlich instabil. Die Mannschaft hat Qualität, aber sie hat Schwierigkeiten, die Balance zu halten. Die Defensive ist nicht so sattelfest wie in vergangenen Jahren, das Umschaltspiel wirkt nicht so präzise und die Abschlussschwäche frisst Punkte. Die Punkteverluste in den direkten Duellen mit LASK, Rapid und WAC und zuletzt gegen die WSG Tirol zeigen, dass Sturm in engen Spielen Probleme hat, die Kontrolle zu behalten.

Analytisch betrachtet liegt es oft am zentralen Mittelfeld. Es fehlt an der Klarheit im Spielaufbau, manchmal aber auch an der Ruhe. Sturm ist gut genug für oben, aber die Mannschaft spielt nicht wie ein Titelkandidat. Sie ist zu fehleranfällig. Und das ist in einer Saison wie dieser viel zu teuer.

Rapid. Die übliche Unruhe, der übliche Absturz

Rapid strauchelt erneut an sich selbst. Wichtige Spiele wurden verloren, spielerische Entwicklung ist kaum spürbar und die Entlassung von Peter Stöger war am Ende ein logischer Schritt, aber kein heilbringender. Rapid wirkt seit Jahren wie ein Verein im Dauerumbau. Jeder Schritt nach vorne wird von zwei Schritten zurück begleitet. Die Mission 33 ist längst zu einer Art Dauerschleife geworden, in der der Anspruch längst größer ist als das Fundament.

Die Mannschaft hat gute Einzelspieler, aber als Kollektiv stimmt vieles nicht. Zu wenig Klarheit in der Struktur, zu wenig Stabilität, zu viele Spielphasen ohne Dominanz. Rapid ist im Grunde ein Spiegel der Liga. Viel Tradition, viel Erwartung, viel Energie. Aber nicht genug Substanz.

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Der LASK als Beispiel für Klarheit und Richtung

Der LASK macht in dieser Saison vieles besser. Der Trainerwechsel zu Dietmar Kühbauer hat Wirkung gezeigt. Die Mannschaft wirkt gefestigt, klar ausgerichtet, taktisch diszipliniert und mit einer Spielweise ausgestattet, die auf Effizienz und Stabilität baut. Sie nehmen Gegnern den Rhythmus, sie haben klare Abläufe im Umschalten und sie zeigen Konstanz, die andere Teams vermissen lassen.

Die Linzer sind vielleicht nicht der schönste Verein dieser Saison, aber sie sind einer der verlässlichsten. Und das macht sie gefährlich. Besonders, weil sie mit weniger Budget auskommen als die meisten direkten Konkurrenten. Sie holen aus ihren Möglichkeiten heraus, was herauszuholen ist. Sie stören die Großen. Sie ärgern jeden. Und sie haben verstanden, dass eine Saison nicht über das Talent entschieden wird, sondern über die Fähigkeit, Fehler zu vermeiden.

Hartberg bleibt der positivste Faktor der Liga

Hartberg ist für mich der angenehmste Klub der Saison. Sie spielen mutig, sie spielen klar, und sie halten ihre Struktur über weite Strecken aufrecht. Was die Mannschaft mit ihrem geringen Marktwert leistet, ist beeindruckend. Es ist der Wert des Kollektivs, der hier sichtbar wird. Und es ist die ruhige Hand einer Präsidentin Brigitte Annerl, die Vertrauen und Kontinuität zulässt.

Hartberg zeigt, dass Fußball mehr ist als Geld. Es ist Haltung. Es ist Klarheit. Es ist Teamgeist. Und es ist die Fähigkeit, sich nicht zu verstecken. Viele größere Vereine könnten sich daran orientieren.

https://twitter.com/tsv_hartberg/status/1995434889911685612

Warum diese Liga so müde wirkt

Eigentlich müsste man eine Liga, in der die Top sechs nur vier Punkte auseinanderliegen, spannend nennen. Doch für mich zeigt diese Enge weniger die Stärke der Liga als ihre Schwäche. Es gibt zu wenig Mannschaften, die längerfristig Stabilität erzeugen. Zu viele Teams pendeln zwischen Euphorie und Ernüchterung. Spiele wirken oft zäh, die Offensivqualität ist überschaubar und die taktische Variabilität ist geringer als in vergangenen Jahren.

Wenn Woche für Woche Teams straucheln, die eigentlich dominieren müssten, dann erzeugt das nicht automatisch Spannung. Manchmal erzeugt es nur Müdigkeit. Die Bundesliga 2025/26 fühlt sich an wie ein Wettbewerb der Zufälle. Wer am wenigsten abstürzt, bleibt oben. Wer einen Lauf hat, wirkt sofort wie ein Geheimfavorit. Wer einmal patzt, fällt zurück.

Mir fehlt ein echter Trend, eine echte Entwicklung, ein Leitbild. Stattdessen sehe ich viel Unschärfe.

Was sich ändern muss

Für Salzburg kann ich es klar benennen. Ein neuer Sportdirektor ist Pflicht und zwar jemand mit Erfahrung, Netzwerk und Durchsetzungskraft. Der Verein braucht wieder eine klare Linie. Und er braucht Routiniers im Kader, die in schwierigen Momenten Stabilität geben. Die Mannschaft ist zu jung, um sich selbst zu tragen. Und dann wäre noch der Trainer…

Für die Liga insgesamt wünsche ich mir mehr Mut und mehr klare Konzepte. Weniger Verwaltung des Spiels, mehr Gestaltung. Weniger Reaktion, mehr Aktion. Momentan wirkt es oft so, als wären viele Vereine zufrieden damit, nicht zu verlieren. Und genau das macht Spiele zäh.

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Alex Januschewsky

Ich bin Herausgeber von S12 und schreibe leidenschaftlich gerne über Fußball. Dabei geht es mir nicht um Schönfärberei, sondern um konstruktive und auch kritische Analysen. Die Mannschaft der Salzburger steht für mich im Mittelpunkt, weil mir ihr Weg und ihre Entwicklung am Herzen liegen.

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