6.741 Zuschauer! Warum die Ränge der Red Bull Arena immer leerer werden

Ich kann mit vielem leben. Mit einem unperfekten Spiel. Mit einer Phase, in der ein Team sucht. Mit einem Winterabend, an dem die Zehen irgendwann nicht mehr wissen, ob sie noch zu mir gehören. Was ich schwerer aushalte, ist dieses Gefühl, dass sich in Wals-Siezenheim gerade etwas einschleicht, das gefährlicher ist als jede sportliche Delle: Gleichgültigkeit.

Das Europa-League-Spiel gegen den FC Basel war dafür der Auslöser, nicht der Kern. Sportlich hat Salzburg gewonnen, ja. Aber die Zahl, die mir im Kopf geblieben ist, steht nicht bei den Toren, sondern bei den Zuschauern: 6.741. Und damit reden wir nicht über ein Randthema, sondern über die Basis eines Fußballklubs: Menschen, die kommen, bleiben, weitergehen, Kinder mitnehmen, Freunde anstecken, Atmosphäre erzeugen, Identität tragen.

Die Red Bull Arena hat Platz für 30.188. An so einem Europaabend war sie in weiten Teilen ein Echo-Raum. Und genau da beginnt die unangenehme Frage: Wie kann ein Verein, der in den letzten Jahren Champions-League-Nächte vor vollem Haus erlebt hat, plötzlich bei einem internationalen Bewerb so weit runterfallen?

Kälte ist ein Faktor, aber sie erklärt nicht das Problem

Ja, es war deutlich unter null. Das ist in Salzburg kein Ausnahmezustand, sondern Winter. Und trotzdem ist es zu billig, alles auf die Temperaturen zu schieben. Erst vor zwei Wochen waren beim Test gegen Bayern München über 29.000 Leute da. Also können die Menschen sehr wohl ins Stadion kommen – auch im Jänner, auch bei Kälte. Der Unterschied ist offensichtlich: Bayern ist ein Magnet, ein Eventgegner, ein Name, den man erzählen kann.

Das ist keine Salzburger Spezialität, das gibt’s überall. Aber in Salzburg wirkt es stärker, weil der Verein sportlich so lange auf sehr hohem Niveau geliefert hat. Erfolgs- und gegnerorientiertes Publikum entsteht dort, wo man sich daran gewöhnt, dass „groß“ und „besonders“ regelmäßig passiert. Wenn dann eine Saison kommt, in der der Funke sportlich seltener überspringt, kippt die Gewohnheit schneller in „Heute nicht“.

Und genau hier setzt die eigentliche Problematik an: Wenn der Stadionbesuch primär vom Gegner abhängt, dann fehlt etwas Tieferes. Dann fehlt Bindung.

Talfahrt

Lasst uns kurz die Talfahrt in Sachen Zuschauer seit 2020 festhalten.

Die Pandemie-Jahre (2020–2021)

In der Saison 2020/21 wurden alle internationalen Heimspiele (gegen Bayern München, Atlético Madrid, Lok Moskau und Villarreal) aufgrund der COVID-19-Bestimmungen als Geisterspiele ohne Zuschauer ausgetragen. Auch im Dezember 2021 musste das entscheidende Gruppenspiel gegen den FC Sevilla wegen eines bundesweiten Lockdowns vor leeren Rängen stattfinden.

Rekordbesuche und Kapazitätsgrenzen (2022–2024)

Sobald die Beschränkungen fielen, war die Arena bei Top-Gegnern regelmäßig ausverkauft.

  • 2021/22: Die Spiele gegen Wolfsburg und Bayern München (Achtelfinale) meldeten mit 29.520 Zuschauern „ausverkauft“.
  • 2022/23: In der Gruppenphase gegen AC Milan und Chelsea war das Stadion mit jeweils 29.520 Zuschauern voll besetzt.
  • 2023/24: Gegen Inter Mailand wurde eine Zuschauerzahl von 30.071 gemeldet, was die theoretische internationale Kapazität leicht überschritt (Nutzung von Pufferzonen).

Aktuelle Entwicklung (2024–2026)

Mit der Einführung des neuen Ligaphase-Systems in der Saison 2024/25 und dem Abstieg in die Europa League zur Saison 2025/26 schwankte die Auslastung:

  • In der Champions League 2024/25 lag der Schnitt bei 23.176 Zuschauern. Während Kracher gegen PSG sehr gut besucht waren, zogen Spiele gegen kleinere Kaliber den Schnitt nach unten.
  • In der aktuellen Europa League Saison 2025/26 ist ein deutlicher Rückgang zu spüren. Spiele gegen Gegner wie Ferencváros (8.342) oder Go Ahead Eagles (10.852) erreichten nur eine Auslastung von rund 30–35 %.

Und dann kam „Basel“. Keine 6.800 Zuschauer. Beängstigend.

„Zu glatt gebügelt“. Warum dieser Vorwurf so wehtut

Ich lese diese Sätze seit Monaten immer wieder: „Steril.“ „Alles nur marketingoptimiert.“ „Zu glatt gebügelt.“ Das trifft nicht nur Social-Media-Postings. Das trifft das Bauchgefühl vieler Fans, dass der Verein manchmal eher wie eine perfekt kuratierte Marke wirkt als wie ein lebendiger Klub, der auch Kanten aushält.

Dabei ist Professionalität nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Salzburg ist in vielen Bereichen Vorbild. Aber Fußball ist eben nicht nur Organisation, sondern Beziehung. Und Beziehungen entstehen nicht durch die schönste Grafik, sondern durch Nähe, Ehrlichkeit und das Gefühl, dass man gebraucht wird.

Wenn sportlich dann noch eine Phase dazu kommt, in der das Spiel „brav“ wirkt – wenig Risiko, wenig Wucht, wenig dieses unvernünftige „Wir wollen jetzt unbedingt“ – dann verstärkt sich der Eindruck: Das Ganze ist sauber, aber nicht heiß. Und Menschen gehen dorthin, wo es heiß ist. Gerade im Winter.

Zuschauerzahlen sind keine Randnotiz, sie sind Stimmungslage

Wer die Entwicklung der Besucherzahlen in der Liga verfolgt, sieht: Salzburg hatte in der Saison 2024/25 bei mehreren Heimspielen klare Ausschläge nach unten – teilweise nur im niedrigen fünfstelligen Bereich, teilweise deutlich darunter. Das ist in absoluten Zahlen nicht katastrophal, aber für einen Klub mit Anspruch und Stadiongröße ist es ein Warnlicht.

Und das Problem ist nicht nur, dass weniger Menschen kommen. Das Problem ist, was das mit dem Spieltag macht. Weniger Menschen heißt weniger Geräusch. Weniger Geräusch heißt weniger Druck auf den Gegner. Weniger Druck heißt: ein Heimspiel fühlt sich eher wie neutraler Boden an. Und dann entsteht ein Kreislauf: Wenn es sich weniger besonders anfühlt, bleiben beim nächsten Mal wieder mehr daheim.

Für mich ist das die zentrale Gefahr: Dass die Red Bull Arena schleichend an Aura verliert.

Glühwein, Punsch und warum „Erlebnis“ nicht mit „Emotion“ verwechselt werden darf

Ich sag’s ganz offen: Ich verstehe jeden, der bei minus sieben Grad kurz überlegt, ob Couch nicht doch die bessere Idee ist. Und ich verstehe auch jeden, der sich im Stadion ein wintertauglicheres Angebot wünscht – Heißgetränke (und ich meine jetzt NICHT diesen ‚untrinkbaren‘ Tee) inklusive. Das ist kein Luxus, das ist Komfort. Und Komfort ist gerade in einer Zeit wichtig, in der man um Aufmerksamkeit konkurriert.

Aber: Selbst das beste Catering füllt keine Ränge, wenn die emotionale Brücke fehlt. Ein „Fanpark-Erlebnis“ kann nett sein. Ein glatt poliertes Posting kann informativ sein. Nur ersetzt beides nicht das Gefühl, dass ein Verein und eine Mannschaft „bei dir“ sind.

Salzburg muss aufpassen, nicht nur am Produkt zu schrauben, sondern an der Bindung.

Ja, es geht auch ums Geld: Stadionbesuch ist für viele ein Luxus geworden

Man kann das Thema nicht ehrlich diskutieren, ohne auch über Geld zu reden. Die Tickets werden nicht hergeschenkt, auch wenn das unsere „Hater“ gern behaupten. Gerade bei einem internationalen Spiel kann das – je nach Platzkategorie, etwa auf der Osttribüne – richtig ins Geld gehen. Und dann kommt alles zusammen: Winter und Kälte, zum Aufwärmen im Stadion im besten Fall ein Tee, dazu Kioskpreise, bei denen man zweimal schluckt, und obendrauf die Ticketkosten.

Für eine vierköpfige Familie ist das schnell ein Gesamtpaket, für das man sich auch einen Kurzurlaub leisten könnte. Wenn der Verein will, dass Menschen nicht nur bei Bayern oder Chelsea kommen, muss der Stadionabend auch finanziell wieder mehr nach „machbar“ aussehen – sonst bleibt der Fernseher für viele schlicht die vernünftigere Entscheidung.

Was früher anders war (und warum Nostalgie hier trotzdem einen Punkt hat)

Ich bin kein Freund von „Früher war alles besser“-Sätzen. Aber früher gab es in Salzburg mehr Berührungspunkte zwischen Verein, Mannschaft und Fans, die nicht ausschließlich an den Spieltag gekettet waren. Veranstaltungen wie Bauernherbst-Aktionen, ein Christkindlmarkt-Flair, ein Tag der offenen Tür – solche Dinge sind nicht bloß Folklore. Sie schaffen Gemeinsamkeit. Sie geben Gesichter. Sie machen Spieler zu Menschen und Fans zu mehr als Ticketkäufern.

Meine Lieblingsstory ist immer noch, wie ein Simon Cziommer nach einem Spiel das Stadion verließ, seine Tasche ins Auto stellte, eine Gruppe von Fans (inklusive mir) bei diesen kleinen Bierständen (wer kann sich noch erinnern?) stehen und trinken sah und zu uns mit den Worten kam: „Habt ihr auch ein Bier für mich?“. Wir fachsimpelten und diskutierten stundenlang! Ein unvergessliches Erlebnis. Die unzähligen Geschichten mit einem Martin Hinteregger, Marco Rose oder Jonatan Soriano erspar ich euch.

Heute wirkt vieles effizienter, schneller, digitaler. Das passt zur Zeit, ja. Aber es kann auch Distanz erzeugen. Und Distanz ist der natürliche Feind der Stadionkultur.

Die eigentliche Frage: Warum sollte ich kommen? Wegen des Gegners?

Wenn ich mich in die Lage eines „Gelegenheits-Fans“ versetze, dann ist die Entscheidung brutal ehrlich. Donnerstagabend, kalt, Anfahrt, Heimweg, vielleicht Arbeit am nächsten Tag. Was ist der emotionale Gewinn?

Bei Bayern ist die Antwort leicht: Weltklub, Event, einmalige Stimmung, große Namen.
Bei Basel? Da muss die Antwort aus Salzburg selbst kommen. Aus Identität, aus Ritual, aus der Idee: „Das ist unser Abend.“

Und genau das ist der Punkt, an dem der Verein jetzt liefern muss – nicht mit Parolen, sondern mit glaubwürdigen Maßnahmen.

Wenn die Nord leiser wird

Ich merke es inzwischen nicht nur an Zahlen oder Fotos, sondern an meinem eigenen Ritual: Meine Familie und ich gehen seit einer gefühlten Ewigkeit in die Red Bull Arena. Wir sind Dauerkarteninhaber, wir sind Teil der Fanszene, und wir fehlen eigentlich nur, wenn jemand krank ist oder wir gerade auf Urlaub sind. Genau deshalb spüre ich die Veränderung auf der Nord so deutlich.

Die organisierte Szene schrumpft, die Kurve wirkt leerer, und bei vielen Fanclubs gehen die Mitgliederzahlen nach unten. Das ist kein „Szene-Thema“, das halt ein paar betrifft, sondern der Kern dessen, was ein Stadionabend überhaupt ausmacht. Die Kurve ist der Pulsschlag: Sie trägt Mannschaft und Tribüne durch Phasen, in denen am Rasen nicht alles glänzt, sie zieht Gelegenheitsfans mit, sie macht aus 90 Minuten ein gemeinsames Erlebnis.

Wenn diese Emotion weniger wird, wird der Stadionbesuch für viele automatisch weniger „Da muss ich hin“ und mehr „Kann ich auch daheim schauen“. Und genau so entsteht die gefährliche Spirale: weniger Kurve, weniger Stimmung, weniger Anreiz – bis eine moderne Arena plötzlich nicht mehr wie ein Zuhause wirkt, sondern wie eine schöne Hülle, in der es zu oft zu leise bleibt.

Fünf Dinge, die der FC Red Bull Salzburg und die Mannschaft konkret tun sollten

Nähe, die man spürt! Nicht nur „Meet & Greet“ fürs Foto

Salzburg braucht wieder regelmäßige, echte Begegnungen, die nicht nach Pflichttermin riechen. Offene Trainings mit echter Zugänglichkeit ist das eine. Gespräche mit Spielern ohne Zeitdruck, Autogrammfenster, die nicht im Fanpark stattfinden, Stadtteil- und Vereinsbesuche, die nicht nur Content liefern, sondern Verbindung schaffen. Der Schlüssel ist: weniger Bühne, mehr Alltag.

Wenn ein Spieler in Taxham, Itzling oder in einem Verein im Flachgau auftaucht und man merkt: Der ist wirklich da, dann ist das mehr wert als zehn Hochglanzclips. Wurde ja schon gemacht! Ob sie es heute noch tun? Zumindest hört und sieht man nicht wirklich etwas.

Winter ernst nehmen! Als Teil der Identität, nicht als Ausrede

Die Red Bull Arena ist modern, aber Winterspiele brauchen eigene Liebe. Heißgetränke im Stadion wären ein starkes Signal, weil sie zeigen: „Wir wissen, was ihr hier aushaltet.“ Dazu gehören auch Wärmepunkte (und ich meine nicht die spärlich beheizten Toiletten!) und eine Kommunikation, die Winterabende nicht entschuldigt, sondern auflädt: „Das ist unser Salzburg-Winter-Spieltag.“ Wenn Kälte Teil des Narrativs wird, kann sie sogar verbinden.

Kommunikation mit Kante! Weniger glatt, mehr ehrlich

Dieses „zu glatt gebügelt“-Gefühl bekommt man nicht weg, indem man noch polierter wird. Man bekommt es weg, indem man wieder normaler spricht. Wenn es sportlich nicht passt, darf das klar gesagt werden. Wenn Fans enttäuscht sind, muss das nicht unkommentiert bleiben, sondern aufgenommen. Ein Klub wirkt dann stark, wenn er Kritik aushält und trotzdem seinen Kurs erklärt.

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Mal ehrlich: was war das für ein inhaltloses Posting? Wo war der Mehrwert? Wo die knallharte Analyse? Wir habens gesehen. Wir wissen die erste Halbzeit war völlig ok. Mit ein wenig mehr „Gespür“ hätte da stehen müssen:

Klare Niederlage gegen starke Bayern: Salzburg hat phasenweise gezeigt, dass Intensität und Mut da sind – aber sobald Bayern das Tempo anzieht, sieht man den Unterschied in Rhythmus, Präzision und Entscheidungsfindung. Das ist kein Drama in einem Testspiel. Aber es ist ein klarer Hinweis, woran gearbeitet werden muss: saubere Abläufe im Pressing, schnelleres Umschalten, mehr Klarheit im letzten Drittel.

Fans merken sofort, ob etwas für sie gesagt wird – oder über sie hinweg. Oder ob man etwas postet, weil man es einfach posten muss.

„Content is king, but context is queen. And she runs the house.“

Gary Vaynerchuk in seiner weltweit gefeierten „Social Media Bibel“: „Jab, Jab, Jab, Right Hook: How to Tell Your Story in a Noisy Social World“

Mannschaft als Stimmungsmotor – Rituale, die unabhängig vom Ergebnis sind

Die Spieler sind nicht nur Sportler, sie sind der emotionale Anker. Was ich mir wünsche, sind wieder erkennbare Rituale: konsequent nach Abpfiff zur Kurve, auch nach schlechten Spielen. Kleine Gesten im Stadion, die zeigen: „Wir sehen euch.“ Und auch abseits davon: ein Spieler, der sich nach einem schwierigen Abend hinstellt und nicht nur Floskeln abspult, sondern wirklich erklärt, was los ist. Das ist zwar aktuell schon besser als es war, aber noch kein Optimum.

Atmosphäre entsteht, wenn Fans sich wichtig fühlen. Und das können Spieler direkt auslösen.

Mehr Verein im Alltag: Veranstaltungen außerhalb des Spieltages sind dringend nötig

Wenn Salzburg die Ränge wieder füllen will, muss der Klub raus aus dem reinen „Matchday-Modus“ und zurück in den Alltag der Menschen. Bindung entsteht nicht nur am Donnerstagabend bei minus fünf Grad, sondern an den Tagen dazwischen. Genau deshalb braucht es wieder regelmäßige Vereins- und Mannschaftstermine abseits des Rasens: Tag der offenen Tür, kleine Feste rund um die Akademie, winterliche Aktionen wie ein Christkindlmarkt-Format, Bauernherbst-Auftritte, Besuche in Gemeinden und Partnervereinen, Fanabende mit echten Gesprächen, nicht nur mit Mikrofon und Sponsorenwand.

Das sind Momente, in denen Spieler Gesichter bekommen und ein Klub wieder wie ein Klub wirkt – nicht wie ein Event, das man sich nur dann gönnt, wenn der Gegner groß genug ist. Wenn Salzburg diese Nähe wieder aufbaut, kommen die Leute beim nächsten „normalen“ Europaspiel nicht wegen Basel – sondern weil es ihr Verein ist.

Gegnerorientierung bleibt – aber sie muss nicht die ganze Wahrheit sein

Ja, Salzburg wird immer Spiele haben, bei denen der Gegner die Massen zieht. Das ist normal. Aber ein Verein, der langfristig gesund sein will, braucht eine zweite, stabilere Schicht: Menschen, die kommen, weil Salzburg spielt. Weil die Arena ihr Ort ist. Weil sie das Gefühl haben, da passiert etwas, das man nicht am Fernseher spürt.

Der Heimsieg gegen Basel war in sportlicher Hinsicht ein kleiner Schritt in diese Richtung. Die Zuschauerzahl war gleichzeitig ein Hinweis, wie viel Arbeit vor dem Klub liegt. Und diese Arbeit beginnt nicht erst am Anpfiff, sondern am Montag davor – und am Tag nach dem Spiel.

Eure Meinung interessiert mich

Was müsste sich beim FC Red Bull Salzburg am stärksten ändern, damit ihr auch bei „nicht glamourösen“ Europaspielen wieder ganz selbstverständlich ins Stadion geht?

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Alex Januschewsky

Ich bin Herausgeber von S12 und schreibe leidenschaftlich gerne über Fußball. Dabei geht es mir nicht um Schönfärberei, sondern um konstruktive und auch kritische Analysen. Die Mannschaft der Salzburger steht für mich im Mittelpunkt, weil mir ihr Weg und ihre Entwicklung am Herzen liegen.

3 Antworten

  1. Vielleicht habe ich es ein wenig falsch beschrieben, ich finde nicht das es derzeit Probleme bei den Vorsängern gibt.. die 2 sind ganz gut – ich meine nur, dass dies vielleicht ein Grund war warum diese Generation erst wieder was aufbauen muss 🙂 Ja da bin ich deiner Meinung, es sind einfach zu wenig Leute die schreien..

    Solche Fans wie ich, sollten nicht zum Grundstock der Nord gehören – es sollte in Salzburg einen solchen Grundstock geben.. Früher musste man sich eine Nord Dauerkarte kaufen, damit man überhaupt eine Chance auf einen Platz bei internationalen Spielen hatte.. jetzt ist die Fankurve bis zuletzt die Tribüne mit den meisten freien Plätzen, bei aller Liebe, aber das gibt es nirgends.
    Klabsessel sind schon vorhanden, aber in anderen Stadien ist das viel besser gelöst.. (wo man sich nach vorne anlehnen kann etc.)

    Frustriert hat es mich nie, aber es sind ja schon fast mehr Fahnen wie Fans im Sektor 🙂 und man kann ja ruhig wenig auf die Seite stehen, Platz ist ja genug ..

    Beides.. mehr Identifikation und Stimmung.
    Früher haben auch die Fanaufrufe etc. besser funktioniert.. derzeit nimmt man die Fans der Nord eher weniger war.. da müsste vom Verein mehr kommen. Die Nordkurven Fan Seite auf Instragram ist fast zu wenig..
    Allen handelnden alles Gute

  2. Hallo,

    ich bin seit 2010 bei jedem EL/CL-Qualifikations- und Gruppenspiel auf der Nordtribüne gewesen (inklusive Sohn und Freunden). Zudem sind wir auch gerne zu ausgewählten Bundesligaspielen gefahren (Anreise ca. 2,5 Stunden).

    Bis vor drei Jahren hat das absolut Spaß gemacht:
    4.000 Fans in Mailand, gute Stimmung auf der Nord und jedes Mal ein echtes Erlebnis.

    In den letzten drei Jahren waren wir nur noch sporadisch da – nicht aufgrund der schlechten sportlichen Leistung, sondern wegen der Stimmung auf der Nord. Durch den Vorsängerwechsel, Unstimmigkeiten der Fanclubs untereinander (die man sogar als Außenstehender mitbekommt) und offenkundig schlechtes Fanmanagement des Vereins ist die Stimmung immer schlechter geworden. Inzwischen ist nicht einmal mehr der Mittelblock voll. Wenn der Auswärtsblock ständig lauter ist als die heimische Fantribüne, ist das schon traurig.

    Der Verein hat es in den letzten 20 Jahren nicht geschafft, eine vernünftige Fanszene aufzubauen. Ultragruppierungen benötigt jeder Verein, denn sie sorgen für die nötige Stimmung. Ich verstehe nicht, warum man so streng gegenüber den eigenen Fans ist – wir haben ja keine Schlägertrupps wie andere 😉
    Gerade in der Sonderposition des FC RB Salzburg, wo halb Europa die RB-Fans hasst, wäre es umso wichtiger, zumindest eine vernünftige Stadionatmosphäre zu erzeugen!

    Konkret würde ich bei ein paar Punkten ansetzen:

    Nordtribüne:
    Umbau auf einen Stehsektor bzw. Klappsessel, analog zu Innsbruck, Klagenfurt, Linz etc.
    Damit würde man dem Problem der sitzenden Personen im Fanbereich entgegenwirken.

    Fanmanagement:
    Ich habe schon lange das Gefühl, dass hier die falschen Personen am Werk sind – bitte austauschen.
    Beispiele dafür gibt es ja zahlreiche.
    Man könnte aktiv auf Fanclubs zugehen, die sich inzwischen vom Verein abgewendet haben.

    An die sportliche Leitung:
    Talente sind wichtig, aber seit dem Abgang von Christoph Freund wird das definitiv übertrieben. Wir benötigen auch ein paar Aushängeschilder für den Verein (wie Ulmer, Junuzović etc.).
    Zudem sollte man Spieler nicht zu schnell verkaufen – zuerst sollen sie wirklich für Erfolge sorgen.

    An die Fans der Nord, die noch für Stimmung sorgen:
    Bitte macht weiter so, holt euch neue junge Mitglieder und baut das Ganze wieder auf – einen Grundstock habt ihr ja 🙂
    Das Einzige, was mir auffällt: Es sind extrem viele Fahnen im Block. Wenn man im oberen Bereich des Mittelblocks steht, sieht man sehr wenig – vielleicht steht dort deshalb auch niemand mehr?

    Ich denke inzwischen oft daran, gar nicht mehr nach Salzburg zu fahren. Aber Spiele wie gegen Basel sind einfach richtig toll anzuschauen! Hoffentlich bald wieder vor mehr bzw. stimmungsvolleren Fans.

    1. Hallo Hubert!
      Danke dir für den ausführlichen, respektvollen Kommentar und vor allem dafür, dass du seit 2010 so konstant dabei warst, inklusive Sohn und Freunden. Das ist genau die Treue, die man in Salzburg viel stärker spüren sollte.

      Ich kann deinen Grundgedanken gut nachvollziehen: Wenn die Nord nicht mehr durchgehend trägt und der Auswärtsblock phasenweise lauter wirkt, verliert ein Stadionabend automatisch an Reiz. Gerade bei 2,5 Stunden Anreise geht es nicht nur um 90 Minuten Fußball, sondern um das gesamte Gefühl.

      Zwei Punkte möchte ich aber einordnen, weil sie in der Diskussion schnell größer wirken, als sie aktuell sind. Aus meiner Sicht gibt es derzeit keine akuten Probleme mit Vorsängern oder Fans im Sinn von „da funktioniert nichts“ oder „da kracht es permanent“. Natürlich gibt es wie in jeder Szene unterschiedliche Meinungen und Dynamiken, aber ich nehme aktuell vor allem wahr, dass die, die da sind, versuchen, die Stimmung zu tragen. Das Hauptproblem ist für mich weniger „wer schreit vor“, sondern dass insgesamt zu wenige Leute da sind, um diesen Druck über 90 Minuten konstant aufzubauen.

      Zum Thema Umbau und Stehsektor: Klappsessel sind auf der Nord ohnehin vorhanden, und ich verstehe den Wunsch nach einem Bereich, in dem Stehen klar die Norm ist. Gleichzeitig ist das organisatorisch nicht trivial, auch wegen Vorgaben und Abläufen bei internationalen Spielen. Was aber sicher hilft, ist eine klare Blocklogik und Kommunikation, damit jeder weiß, wo Sitz- und wo Supportbereiche sind.

      Und wegen der Fahnen: Ich verstehe total, dass es im oberen Bereich frustrieren kann, wenn man wenig sieht. Gleichzeitig gehören Fahnen im Block für viele zur Kurvenkultur dazu. Das ist Teil der Identität. Vielleicht wäre ein pragmatischer Mittelweg möglich, etwa über Zonen oder Absprachen, ohne den Kern der Kurve auszuhöhlen.

      Deinen Punkt mit Aushängeschildern und Identifikationsfiguren unterschreibe ich grundsätzlich. Salzburg lebt davon, dass Fans eine Beziehung zu Spielern aufbauen können. Das wird schwer, wenn sich Gesichter zu schnell ändern.

      Am Ende hoffe ich vor allem, dass du die Fahrten nach Salzburg nicht ganz streichst. Leute wie du sind Teil des Grundstocks, der die Nord am Leben hält. Genau den braucht es, damit Spiele wie gegen Basel nicht nur sportlich Spaß machen, sondern sich auch wieder nach Europaabend anfühlen.

      Was wäre für dich persönlich der stärkste Schritt, der dich wieder regelmäßiger auf die Nord bringt: eher Fanbindung und Fanmanagement oder eher mehr Identifikation über länger bleibende Spieler?

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